Ausfällig (Markus)

Ein Bekannter, der ebenfalls drei Kinder hat, darunter Zwillinge, sagte neulich, er werde sofort patzig, wenn sich jemand über den Lärm und das Benehmen seiner Kinder beschwere. Ob im Flugzeug, im Supermarkt oder im Treppenhaus des eigenen Hauses: Ein schiefer Blick, gepaart mit dem Kommentar, die Kinder sollten doch bitte leise sein – und mein Bekannter kramt seinen ordinärsten Wortschatz hervor: „Halts Maul!“, „Kannst mich mal!“ oder – im Flugzeug –: „Dreh Dich um, Du A…!“

In Prenzlauer Berg kommt es selten vor, dass wir von Leuten verbal attackiert werden, denen unsere Kinder auf den Wecker gehen. Wer hier wohnt, hat entweder selbst Kinder oder sich mit dem Niedrigalter-Umfeld arrangiert. Trotzdem erlebten wir vor einiger Zeit Folgendes: Lisas Handy klingelte, während wir mit den Kindern auf dem Gehweg waren. Weil die Zwillinge nicht in ihrem Wagen saßen, nutzten sie den Moment der Unaufmerksamkeit: Franz schob den Zwillingswagen gegen ein Schaufenster, Paul buddelte im mit Hundehaufen übersäten Beet, Helene jaulte vor Müdigkeit.

Ein älteres Pärchen beobachtete die Situation kopfschüttelnd, beide tuschelten miteinander und es ging ganz offensichtlich um uns: Lisa am Handy, Paul im Beet und ich war damit beschäftigt, zu verhindern, dass Franz den Kinderwagen gegen Autos schob. Das Gespräch der beiden Beobachter wurde lauter. Ich vernahm Wortfetzen wie „unmöglich“, „Kinder nicht im Griff“, guck Dir die an!“, „unerzogene Blagen“.

Ich gab Franz und seinem Kinderwagen einen Schubs in Richtung des Paares, ich wollte, dass er diese Idioten über den Haufen fährt. Dass er sie mit dem Kinderwagen auf die Straße drängt (wo im Idealfall ein Auto gekommen wäre). Erst dann hätten sie das Recht, unsere Kinder „unerzogene Blagen“ zu nennen.

Leider hielt sich Franz nicht daran. Er merkte zwar, dass das Paar ihn beobachtete, deutete das aber allenfalls als Zuneigung und machte nun noch mehr Quatsch. Er grinste hämisch, wippte von einem Bein auf das andere, lief kreuz und quer über den Gehweg. Die beiden dachten offensichtlich, jetzt sei er nicht nur unerzogen und frech, sondern auch noch wahnsinnig. Der Mann stieß ein „hoffnungslos!“ hervor, und ich rief: „Dann haut doch ab, man! Zieht in den Grunewald, da habt Ihr Eure Ruhe!“

Das Paar gehorchte brav, zog sicher nicht in den Grunewald – aber haute ab.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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2 Antworten zu Ausfällig (Markus)

  1. Das erinnert mich an den Fall im Zug. Als Radulf-Kevin mich fast vollgekotzt hätte und dann war natürlich ich schuld. Wobei das Äpfel und Birnen sind, bzw. ganz anders rum. Wenn ich dabei gewesen wär, hätte ich das Paar gern ein paar Schitte in Richtung Ausgang begleitet. Ich sollte mal mitkommen, demnächt. http://url9.de/c5t

  2. Das erinnert mich an den Fall im Zug. Als Radulf-Kevin mich fast vollgekotzt hätte und dann war natürlich ich schuld. Wobei das Äpfel und Birnen sind, bzw. ganz anders rum. Wenn ich dabei gewesen wär, hätte ich das Paar gern ein paar Schitte in Richtung Ausgang begleitet. Ich sollte mal mitkommen, demnächst. http://url9.de/c5t

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