Käfer-Drauftret-Phase (Markus)

Ameisen, Nacktschnecken, Ohrenkneifer, Marienkäfer, Schnaken, flugunfähige Fliegen, Hummeln und Bienen. Das Beuteschema ist groß. Und sie sind alles andere als wählerisch, wenn es darauf ankommt zu töten, ja, gründlich zu vernichten. 

Sie machen das, indem sie auf das Tier eintrampeln oder den Fuß draufstellen und gründlich drehen. Übrig bleibt in aller Regel ein Matsch aus Flügeln, abgerissenen Beinchen und Blut. Nach dem Tötungsvorgang lassen sie ihre Beute achtlos liegen und wenden sich wieder ihrem Tagwerk zu: spielen. Mit Hilfe eines Miniatur-Baggers graben sie Löcher in ein Beet oder steigen auf ein pedalloses Zweirad und sausen davon.

Wir wissen nicht warum, wir versuchen es so gut es geht zu unterbinden und können es doch nicht immer verhindern: Franz und Paul haben zurzeit einen ausgeprägten Trieb, Kleinsttiere, die um sie herum krabbeln, kriechen, liegen und fliegen – zu töten. Mit ihren Füßen. Wir schwören, wir haben es ihnen nie vorgemacht. Wir haben ihnen nie vermittelt, dass Schnecken ekelhaft sind, stören und deshalb sofort vernichtet werden müssen. Gleiches gilt für Marienkäfer, Ohrenkneifer, Ameisen und und und.

Wir lassen sie leben, bringen sie in Sicherheit. Die Jungs treten drauf. Da hilft auch kein Verbot. Da können wir noch so oft sagen, wie schön Marienkäfer sind.

Natürlich wollen die beiden nicht töten. Ich nehme an, sie wollen spielen, sie finden es faszinierend, wenn und wie sich so kleine Tiere fortbewegen. Wie sie sich langsam oder schnell in Sicherheit zu bringen versuchen. Ein kleines Räuber- und Gendarm-Spiel. Dass die Beschäftigung mit einem Marienkneifer mit dem Tod des Tieres endet, ist den beiden nicht bewusst, natürlich nicht.  

Weil fast jede sonderbare Handlung der Kinder – nach der Triebtheorie – einer Phase (orale, anale etc.) entspricht, also irgendwann wieder vorbei ist, gehen wir davon aus, dass auch die Käferattacken einer Triebphase zuzuordnen sind, nennen wir sie die Käfer-Drauftret-Phase. Und die wird hoffentlich bald abgelöst von der Käfer-Ich-hab-dich-lieb-Phase.

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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Eine Antwort zu Käfer-Drauftret-Phase (Markus)

  1. Rike schreibt:

    Mich beruhigt dieser Beitrag sehr! Sehr! Unsere Tochter handelt ebenso. Was plattzumachen ist, wird plattgemacht. Beruhigend: Kürzlich lag Igel-Kot auf unserer Terrasse. Tochter: „Soll ich die tottreten?“

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