Scheiß drauf, Mami (Lisa)

Prenzlauer Berg ist heute wie verwandelt. Keine gestressten Muttis auf den Bürgersteigen, die mit Handy am Ohr und Kind im Arm versuchen, einen Kinderwagen zu steuern. Selbst die besoffenen Punks vom Helmholtzplatz schreien heute mal nicht rum. 8.15 Uhr und Ruhe. Was für eine Idylle.

Ich radele in feinster Alleinerziehenden-Manier mit zwei Kindern im Fahrradanhänger und einem Kind auf dem eigenen Drahtesel in Richtung Moritzhof, dem kleinen Bauernhof am Mauerpark. Strahlender Sonnenschein und diese Ruhe. Pferdchen bestaunen, Ziegen gucken und dann weiter durch die Birken bis zum Klettergerüst. Dort Picknick. Ich lege die Beine hoch. Wer hat nochmal gesagt, Kinder seien  anstrengend? Ich kann mich nicht erinnern. 

Satt gefuttert brechen wir wieder auf, vorbei am Ludwig-Jahn-Sportpark und dort sehen wir die ersten Nicht-Prenzlauer Berger. Angetrunkene Papis von links und rechts, grölend am Fußballfeldrand. Gut, denke ich, gehört zum Fußball dazu. Aber es geht so weiter. Fast zieh ich mir trotz der Hitze noch den Regenparka drüber, sowas bin ich ja GAR nicht mehr gewöhnt. Da spüre ich doch aus quasi jedem Café in der Raumerstraße diese gierigen Blicke, die bei meiner Anfahrt an meinem Brustkorb und bei der Weiterfahrt an meinem Allerwertesten hängen bleiben. Das wäre jetzt nicht weiter bemerkenswert, wenn Frauen wie ich in Prenzlauer Berg ein Objekt der Begierde wären – sind sie aber nicht. Frauen werden hier jedenfalls so gut wie nicht angebaggert, solange sie schwangerschaftsbedingte 125 cm Bauchumfang oder – wie ich eben – drei Kinder dabei haben. Vergeben, besetzt. Das steht mir an einem normalen Kieztag scheinbar per Tattoo auf der Stirn geschrieben.

Aber heute ist nun mal Feiertag und da ist also alles anders. Als ich mich mit meinen Kleinen dann zum Mittag in der Wohnung gerettet hab, macht mir Paul dann auch noch ein echtes Herrentags-Geschenk: Eine feine stinkende Hinterlassenschaft auf Teppich, Laufrad und Regenhose. Vielleicht wollte er auch sagen: „Scheiß drauf, Mami“ Aber nein, es geht weiter. „Da tommt auch noch Pipi raus“, ruft er fasziniert. Maaaarkus, wo bist du an deinem Ehrentag? Mit uns picknicken, Betrunkene angucken, Kacka-Geschenke entgegennehmen… Vielleicht liest du es ja, wenn du dich in deinem klimaanlagenbenebelten Großraumbüro kurzfristig an deine Familie erinnern möchtest.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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