Zwillings-Happy-Hour (Markus)

Eine Bekannte meinte neulich, dass sie auch gern Zwillinge gehabt hätte. Jetzt ist ihr Junge groß und für ein zweites Kind sei es zu spät. Viele denken ja, mit Zwillingen ist es so wie mit Cocktails in der Happy Hour: Man zahlt einen und bekommt zwei. Und freut sich über das Geschenk des Himmels. Oder des Kellners.

Im Gegensatz zum Cocktail ist der zweite Zwilling aber weder gratis, noch macht er ordentlich betrunken. Er macht vor allem Arbeit. Erst recht, wenn man noch einen dritten Cocktail, pardon: ein drittes Kind hat.

Gestern war wieder so ein Tag, an dem ich 1000 Mal lieber gerufen hätte: Zwei „Cuba libre bitte!“ als: „Franz und Paul, ab ins Bett!“ Die beiden Cuba libre wären mir von einem Kellner wahrscheinlich sofort gebracht worden. Ich wäre angenehm betrunken gewesen und dann ins Bett gegangen, hätte geschlafen wie ein Stein. Stattdessen: Eine Nacht fast ohne Schlaf. Nicht, weil ich die Nacht in einer Bar zubrachte, sondern weil ich in meinem Bett lag – in einem Zimmer allerdings mit drei kranken Kindern.

Und zwar richtig krank. Die Armen haben sich irgendeinen Virus eingefangen, der tückische Bläschen in der Mundhöhle verursacht, die höllisch wehtun. Sie können nicht essen und kaum trinken und schlecht sprechen. Sie taten mir Leid, und ich habe natürlich keine Sekunde daran gedacht, in eine Bar zu gehen. Während ich dieses schreibe, liegt Paul schlafend neben mir auf der Sofalehne. Neben seinem Kopf ein Fläschchen mit Wasser. Er wollte trinken, konnte aber nicht, weil die Bläschen so sehr schmerzen. Keine Ahnung, wie man auf der Sofalehne schlafen kann. Im Bett hat er es jedenfalls nicht mehr ausgehalten. Und Lisa auch nicht, die die ganze Nacht die Füße von Heule-Paul im Gesicht hatte.

Das Schöne an Zwillingen, würde unsere Bekannte jetzt sagen, ist ja, dass sie miteinander spielen, man sich also weniger kümmern muss. Und dass sie alles miteianander teilen: das Spielzeug, die Flasche, den Fußball, den Traktor. Kann sein, manchmal jedenfalls. Aber leider teilen sie auch jede Krankheit miteinander.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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Eine Antwort zu Zwillings-Happy-Hour (Markus)

  1. Shivani Allgaier schreibt:

    Mhm. Ja, ganz so nostalgisch wie in den Vorstellungen vieler Menschen ist das mit den Zwillingen tatsächlich nicht. Ich erlebe das auch jeden Tag. Aber die Alternative könnte so aussehen http://tiny.cc/8ripi und das ist auch nicht besser…

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