Nilla, wie sie singt und lacht (Markus)

Viele beklagen ja, dass Kinder nicht mehr Kinder sein dürfen. Sie müssen – angeblich – in immer kürzerer Schulzeit immer mehr leisten, haben mehr Hausaufgaben zu bewältigen. Sie müssen Geige lernen, weil das Nachbarskind Cello lernt. Sie werden zum Ballett oder Fußball getrieben und sollen nebenbei dem Lieblingshobby von Mama frönen: reiten.

Viel schlimmer allerdings ist, dass Puppen nicht mehr Puppen sein dürfen. Puppen müssen heute reden, lachen, küssen, trinken, essen – und kacken können. Eine Puppe ist erst dann eine richtige Puppe, wenn sie eigentlich gar keine Puppe mehr ist, sondern ein halbes Kind. Mit Schmollmund, Echthaar und beweglichen Fingern.

Aber irgendwie haben diese Echtzeit-Baby-Puppen ja ihren Reiz und so haben wir Helene zum 5. Geburtstag eine batteriebetriebene Puppe geschenkt, die vieles kann, was vergleichbar alte Babys noch nicht können: astrein singen zum Beispiel (mit Klaviermusik im Hintergrund). Es ist absurd, aber lustig. Wenn man die Puppe kitzelt, lacht sie, und wenn man ein bestimmtes Stofftier gegen ihren rosaroten Schmollmund drückt, dann macht die Puppe – die von Helene Nilla getauft wurde –, Küssgeräusche.

Nach einer langen Geburtstagsfeier, in dessen Mittelpunkt natürlich Nilla stand, ging Helene ins Bett und sagte, wie sehr sie sich über Nilla gefreut habe und dass sie jetzt schlafe. Helene war fast eingeschlafen, als im Nebenzimmer plötzlich eine Puppe sang: Nilla. Einfach so, niemand hatte sie angestellt. Wahrscheinlich gehört auch das zu einer echten Puppe: Dass sie irgendwann einfach lacht, furzt, schnarcht, schreit und singt.

Helene war hellwach. „Ist das Nilla?“, sagte sie und schaute ziemlich entsetzt. „Mama, ich will nicht, dass Nilla einfach singt! Das ist ja gruselig. Morgen schmeißen wir sie weg, ja?“

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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