Topflos (Markus)

Während ich diese Zeilen schreibe, sitzt Franz auf dem Topf. Seit fünf Minuten weigert er sich schreiend und wild gestikulierend, den Topf zu verlassen. Dabei ist er objektiv längst fertig, das Geschäft ist erledigt. Sehr erfolgreich, wie rein geruchlich festzustellen ist. „Is bin nohoch nihicht färtig!“, schreit Franz, als ich ihn zum fünften Mal auffordere, den Thron im Badezimmer zu verlassen – und verlangt nach einem Buch.

Ehe ich – das Atmen vermeidend – entgegnen kann, dass das jetzt gerade der falsche Ort zum Lesen ist, hat sein Bruder Paul ihm bereits das Feuerwehr-, das Zoo-, und das Bauernhofbuch gebracht. Wie ein Vogelpapa auf seiner Brut, sitzt Franz auf dem Topf und studiert die Bauernhoftiere. Was nun?

Ihn machen lassen, meint Helene – und hat natürlich Recht. Denn eigentlich ist das ja ein Fortschritt. Vor zwei Monaten wären wir glücklich gewesen, hätte er sich selbstständig das Töpfchen geholt und sich drauf gesetzt und auch alles weitere ohne unsere Hilfe erledigt.

Jetzt legt er eben noch eine Bilderbuchsession ein. Mein Gott, irgendwann hat er die Bücher ja auch durch, hat vielleicht Hunger oder kommt auf die Idee, eine Lego-Garage zu bauen. Dann wird er schon wieder absteigen. Und vielleicht fällt ihm ja auch irgendwann auf, dass mittlerweile die ganze Wohnung erbärmlich stinkt.

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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Eine Antwort zu Topflos (Markus)

  1. dass ihm das mit dem stinken irgendwann auffällt, halt ich fürn gerücht. aber eins ist tatsache: runter muss er früher oder später irgendwann

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