Nachrichten aus der Kita (Markus)

Nachrichten aus dem Kindergarten sind manchmal wie Meldungen aus dem umkämpften Tripolis: lückenhaft, widersprüchlich, schwer verifizierbar.

Alle drei Kinder besuchen dieselbe Kita in Prenzlauer Berg. Jedenfalls gehen wir davon aus, denn morgens liefern wir alle drei Kinder in derselben Garderobe ab, bringen sie in dieselben Gruppenräume und verabschieden uns winkend am selben Fenster.

Wenn wir die Kinder nachmittags wieder in Empfang nehmen, haben wir allerdings regelmäßig den Eindruck, als hätten sie den Tag in vollkommen unterschiedlichen Einrichtungen verbracht. Mit unterschiedlichen Freunden in unterschiedlichen Statdtvierteln.

Was gab’s denn heute zu essen?, habe ich die Drei vor zwei Tagen gefragt. „Nudeln mit Soße“, entgegnete Franz. „Nein, Kartoffeln mit Fleisch“, verbesserte ihn Paul. Und Helene meinte einige Minuten später: „Nudeln ohne Soße.“ Weil Helene die Älteste ist, neigen wir dazu, ihr im Zweifel den größten Glauben zu schenken. Komisch nur, wenn die Erzieherin sagt, es habe Kartoffeln mit Soße und Brokkoli gegeben.

Neulich begrüßte mich Paul mit den Worten: „Papa, Jonas hat sein Schienbein (gesprochen. Siehnbein) gebrochen!“ – „Oh Gott“, sagte ich. „Liegt er denn im Krankenhaus?“ – „Nein“, meinte Paul. „Er war in der Kita!“ – „Mit gebrochenem Schienbein?“ – „Ja!“

Ich fragte also die große Helene, ob das mit dem gebrochenen Schienbein wirklich stimmt. Sie sagte: „Jonas hat seinen Fuß gebrochen.“ Ich entgegnete: „Und er ist trotzdem in der Kita?“ – „Ja“, sagte Helene. Hm, ein kleiner Junge, der seinen Fuß gebrochen hat, wird trotzdem von seinen Eltern in den Kindergarten geschickt. Wie unverantwortlich!

Am nächsten Tag schaute ich nach Jonas. Er war tatsächlich in der Kita. Aber weder humpelte er, noch trug er einen Gips. Im Gegenteil: Er rannte von der Küche in die Ecke mit den Kissen, wirkte vergnügt. Ein gebrochener Fuß sieht irgendwie anders aus.

„Jonas gehts doch gut!“, sagte ich zu Helene.
„Ja, warum sollte es ihm denn nicht gut gehen?“, fragte Helene.
„Du hast doch gesagt, er hat sich was gebrochen!?“
„Ja, aber das ist schon ganz ganz lange her.“

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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