Glücksstudie (Lisa)

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit kündige ich meine Mutterschaft fristgerecht zum morgigen Tag. Ich werde die Firma aus privaten Gründen verlassen. Für den weiteren Erfolg Ihres Unternehmens wünsche ich Ihnen alles Gute. 

Mir freundlichen Grüßen,

Lisa

Wie oft habe ich dieses Schreiben schon aufgesetzt. Gedanklich. Wenn mal wieder Hinz und Kunz auf meinen Nerven rumtrampelten und ich nur eins wollte: Meine Ruhe. Und dann erfahre ich gestern auch noch, dass die Hamburger laut „Glücksstudie“ (dieses Wort allein schon!) die glücklichsten Deutschen sind. Den Glückswert von Berlin habe ich gestern höchstpersönlich runtergezogen. Mit meiner Schmierlaune.

Ist ja auch kein Wunder, dass es nicht die Hauptstadt geworden ist. Zumal, wenn man drei Wochen in der westfälischen Idylle hinter sich hat, die laut einer anderen aktuellen Studie die leisteste Gegend Deutschlands ist. Und jetzt sind wir also wieder im Lärm. Im Lärm um den Papstbesuch, um den Einzug der Piraten ins Abgeordnetenhaus, um das Dilemma der FDP.

Die Koalitionskrise, die Schuldenkrise, die Gotteskrise. Die Hamburger sind also trotzdem glücklich. Die Münchner (drittglücklichste Stadt Deutschlands hinter Hamburg und Niedersachsen) und Kölner (glücklichste Stadt NRWs, glücklicher auch als Düsseldorf!) sind auch recht zufrieden und ich meine den Grund gefunden zu haben: Sie alle haben ein Lied, das ihr Lebensgefühl beglückt. Hambuurch hat seine Perle, die Münchner haben ihr Hofbräuhaus, die Kölner den Karneval und den FC.

Kein Wunder also, dass Thüringen nicht gut abschneidet und auch Berlin nicht auf den vorderen Plätzen zu finden ist. Die haben halt keine ständige Melodie im Kopf. Ich habe die allerdings schon, gesungen von unseren drei Kindern, abends, nachts, immer in Momenten, die – drücken wir es milde aus – unangebracht sind. Als sie gestern abend dann endlich schlafen, packe ich die Kündigung meiner Mutterschaft dann aber doch wieder in den Schrank.

Wie süß sie riechen im Schlaf. Und sich einschnuffeln. Ich lege mich gleich dazu und wache am Morgen gut gelaunt auf. Ich denk nur nochmal ganz kurz an die Glücksstudie, die unter anderem festgestellt hat, dass Kinder im Leben der Deutschen kein entscheidender Glücksfaktor sind (wer hätte das gedacht?). Für mich ja eigentlich schon. Manchmal. Am frühen Morgen. Und ab und zu auch zwischendurch. Helene, Franz und Paul fallen mir also heute morgen von ihrem Marmeladenbrot aus in die Arme, nennen mich „Lieblingsmutter“ und schreien den ganzen Morgen nicht.

Jetzt müssten wir nur noch in eine Stadt ziehen, in der uns eine Melodie willkommen heißt… dann würde ich an so einer Glücksstudienbefragung tatsächlich auch mal teilnehmen.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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2 Antworten zu Glücksstudie (Lisa)

  1. mama007 schreibt:

    Bitte bitte bitte: wenn sich da jemand meldet, dann fragen Sie doch mal, ob die noch einen Platz frei haben. Ich nehme auch einen halben – immerhin hab ich nur einen fast Vierjährigen zuhause und nicht drei.
    Selbst anzubieten hab ich leider keinen. Obwohl: wenn der Kleine Mann fremdbetreut wird, ist er angeblich immer ein „Engelchen“ und „vorbildlich“. Vielleicht wenn wir mal tauschen???
    Herzliche Grüße: Mama007

  2. Susanne schreibt:

    Gibt’s doch: Die Bierwerbung –> „Berlin (BerlinBerlin…) Du bist so wunderbar, Berlin (BerlinBerlin…), Du bist so wunderbar. Weiter weiß ich nicht. Reicht ja auch eigentlich schon. Und ganz neu: Anna Depenbusch mit ihrem Berlin-Lied! Hör mal rein!

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