Help, I need somebody, Help (Lisa)

29, weibl., blond, attr., Akad. (bald!), Nichtraucherin, vielseitig interessiert sucht:

den ultimativen Platz ganz ohne Katastrophen. Angebote bitte in die Kommentierfunktion unter diesem Artikel.

Es begann mit meinem HNO-Arzt-Besuch gestern. Ein Pochen im Ohr, ein Hörsturzverdacht, ein Gehörcheck (bei dem ich erfuhr, dass auch gewisse Knochen in unserem Kopf hören können)… Diagnose: Kein Hörsturz. Nur zu viel Stress. „Ich verordne Ihnen Ruhe, Hilfe und autogenes Training oder Yoga“, sagte sie und ich schaute erstaunt zurück: „Wann zum Teufel soll ich neben Arbeit, Studium und Kindern denn auch noch Zeit für Yoga finden?“

Ich fuhr also mit Allergiker-Nasenspray und hochdosierten Magnesiumtabletten zur Kita, die Kinder abholen. Franz weinte, die Erzieherin hielt mir einen Unfallbericht vor, den ich nun unterschreiben sollte. Machte ich. Aber was war passiert? „Ach, nichts Schlimmes, nur Finger eingeklemmt, aber das müssen wir dokumentieren.“ Alles klar.

Auf also zum Wasserturm-Spielplatz. Nicht ohne Franz vorher freudig zu erklären, dass ich nach einer halbjährigen Suche endlich seinen Fahrradschloss-Schlüssel wiedergefunden habe. Juhu und große Freude. Ich stellte mein Fahrrad samt Kinderanhänger ab, er nahm sein Schloss und legte es stolz um mein Vorderrad. Klack. Abgeschlossen. „Aber pass jetzt auf den Schlüssel auf“. Und klack. Fiel das kleine rote Ding ins Trampolinnetz und ward für immer verloren.

Sämtliche Wasserturm-Eltern versuchten mir rührend zu helfen, mit Stöcken, mit Kaugummis, mit Breilöffelchen. Der Schlüssel blieb unten, wir mussten zu Fuß nach Haus. Den Einkauf fürs Abendessen? Konnt ich vergessen. Die vom Arzt verordnete Ruhe auch. Zuhause waren wir also viel zu spät, alle hatten Hunger, ich holte die letzten Reste aus dem Tiefkühlfach. Der Muttergott meinte es nicht gut mit mir.

Ich stocherte meinen Fahrradfrust in den gefrorenen Rahmwirsing, als ich einen gellenden Schrei hörte. Paul rannte mir entgegen, aus seiner Stirn floss Blut, heftig. Und dann setzt ja so ein Überlebensmechanismus ein: Kind auf den Arm, kalten Lappen in den Nacken, Taschentuch auf Wunde, Herd auschalten, Handy ans Ohr, Nachbarin um Hilfe bitten.

Nachbarin holt anderen Nachbarn, guck mal drauf, muss das genäht werden, Helene schreit Igitt, Franz sagt, sein Paul darf nicht ins Krankenhaus. Tja Franz, und warum wirfst du ihm dann mit Vollkaracho das kaputte brummende Spiel-Motorrad mit den scharfen Kanten an die Stirn? Durchatmen.  Autogenes Training.

Wo bleibt eigentlich mein Mann? Ach so, im Stau auf der Leipziger Straße. Na gut. Nachbarin 1 holt Arnica-Kügelchen, Nachbar 2 Desinfektionsspray. Die Wunde ist jetzt auch nicht mehr 10 cm lang, vielleicht noch 6 mm. Alles wird gut, atmen. Ich setze mich kurz und denke, ich werde mal eine Kontaktanzeige aufsetzen. Auf der Suche nach dem ultmativen Platz ganz ohne Katastrophen.

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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