In Nachbars Garten (Markus)

Besuch bei den Großeltern. Zwei Wochen am Stück, so lange wie seit Jahren nicht mehr. „Besucht doch mal die Nachbarn, die möchten sicher gern mal die Zwillinge sehen!“, sagt Oma – fast bittend.

Wir klingeln. Das ältere Nachbarsehepaar bittet uns rein. Frau M. kann unsere Zwillinge sofort unterscheiden. „Du bist Franz! Und Du bist Paul!“ Perfekt. Woher sie das nur weiß. Von Oma? Die ihre Nachbarn ständig mit Bildern der Kinder versorgt?

Wie ziehen durchs Haus, schauen Fotos, landen schließlich im Garten. Helene ziehts sofort auf die Schaukel, die Jungs zu den Gieskannen, die am Salatbeet stehen. Herr M., selbst mehrfacher Opa, weiß, was die Kinder jetzt wollen: Blumen gießen! Er füllt die Kannen, drückt sie den Jungs in die Hand, sagt: „Da, macht mal!“

Was Herr M. nicht weiß: Die Aufforderung „Da, macht mal!“ wirkt auf die beiden wie eine Lizenz zur Gartenumgestaltung nach Wildschweinart. Wie zwei neugierige und ungestüme Frischlinge pflügen sich die beiden durch die Gemüsebeete. Ziehen Salatköpfe aus der Erdverankerung, treten Radieschen platt, gießen hier, wässern da. Rosen werden gepflückt – „Für Mama!“ -, Tomaten geraubt und wie bei Bundesjugendspielen durch die Gartenarena gepfeffert.

Herr M. lacht, füllt sogar einmal die Gieskannen nach. „Sind ja aufgeweckte Kinder!“ Frau M. lacht nicht, bittet mich freundlich, doch ein bisschen auf meine Kinder zu achten. Ich suche Gieskannen und Harken zusammen, ziehe Franz vom Findling mit dem Wasserspiel, reiße Paul den Salat aus der Hand. „Nein, nein, so geht das nicht. Wir gehen jetzt nach Hause. Oma wartet schon mit dem Mittagessen.“

Essen? Die Drei verlassen augenblicklich ihre Einsatzgebiete – Brunnen, Beet, Schaukel -, rennen zur Terrassentür, winken, lächeln, rufen „Tsüssi!“. Verschwinden im Haus – nicht, ohne zuvor die Terassentür von innen abzuschließen. Wir bleiben draußen zurück. Franz winkt mir durch die Scheibe zu, genau wie ich ihm immer winke, wenn ich ihn zum Kindergarten bringe, dann macht er sich mit den anderen durch die Haustür davon.

Ich stehe mit Herrn und Frau M. im Garten. Ratlos, Rot vor Scham. „Jetzt sieh‘ zu, wie Du das wieder hinkriegst“, sagt Frau M. und lächelt jetzt gar nicht mehr.

Herr M. schafft es irgendwie, durch die Garagentür ins Haus zu gelangen, öffnet die Terrassentür von innen. Alles wieder gut? Nun, bis zum nächsten Besuch bei den Nachbarn werden wohl einige Jahre vergehen. Und dann auch eher im Winter. Ohne Salat und Tomaten.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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2 Antworten zu In Nachbars Garten (Markus)

  1. Mara Solanum schreibt:

    Oh, wunderbar! So benehmen sich meine auch. Allerdings in unserem Wohnzimmer. Vielen Dank der Teilhabe 🙂 .

  2. zwillingspapi schreibt:

    Sehr schön… immerhin war es in Nachbarsgarten 😉 unser sieht so ähnlich aus…

    Beste Grüße

    Sven

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