Einfach abschalten und machen (Lisa)

Etliche Freundinen von mir haben sich in der Schwangerschaft vorgenommen, niemals so zu werden, wie diese oder jene Mutter. Sie bauen darauf, auch nach der Geburt so hip zu bleiben wie zuvor, weiter ihre Freunde zu treffen, nicht ständig über Windeln zu reden, weiter in Clubs und ins Theater zu gehen und nie, niemals in Babysprache zu verfallen. Und dann kommen ihnen diese Drecksviecher von Hormonen in die Quere. Die flüstern ihnen Sachen wie

„Hipsein ist doch was für Leute die nicht genug Verantwortung tragen.“

Was ist schon ein Cocktail gegen das Glucksen deines Babys?“

„Ein Couchabend kann auch was Schönes sein.“

Ihr Kind lässt sie nicht mehr los und sie lassen ihr Kind nicht mehr los. Und dann stehen sie da mit dem Feuchttuch zwischen den speckigen Beinen ihres Babys. Tag für Tag. Sprechen in tiefergelegtem Schlumpfton Worte wie „Ja, feiiiin, mein Schnuff“ und sagen den Chillout-Abend mit der Freundin ab, weil Schnuff Fieber hat. Welche Mutter geht schon gern tanzen, wenn es ihrem Kind nicht gut geht? Und die viel brennendere Frage: Warum können Männer das? Warum können Männer ohne schlechtes Gewissen lieben, einfach abschalten und machen?

Viele Partner haben die gleichen Vorsätze vor der Geburt, am Ende setzt aber oft nur der Vater sie durch. So zeigen aktuelle Studien, dass Männer nach der Geburt sogar noch mehr Zeit im Büro verbringen, als zuvor.

Zu gern würde ich wissen, wer für dieses Phämomen verantwortlich ist, die Soziologie (Die Mutter bleibt eben beim Kind) oder die Biologie (Nabelschnur und Co.). Und wenn ich das wüsste, dann würde ich sie mir mal gehörig vorknöpfen. Ganz ohne schlechtes Gewissen. Denn: Auch ich gehöre zu jenen Mütter, denen es genauso geht, wie den oben beschriebenen.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
Dieser Beitrag wurde unter Elternalltag, Gender abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Einfach abschalten und machen (Lisa)

  1. Andy B. schreibt:

    Dass Männer häufig nach der Geburt mehr Zeit im Büro verbringen, ist dem Ernährersyndrom geschuldet. Google it.

    Mann sorgt sich also. Und fühlt die Verantwortung. Das ist gut! Nicht gut ist, dass Mann in Verhaltensweisen verfällt, die ihn von der Familie wegbewegen, nicht zu ihr hin. Obwohl er es doch für die Familie tut.

    Hier müssen Freunde, Verwandte, Bekannte beim Richtungswechsel helfen: das Kind braucht keinen Vater, der Geld scheffelt, sondern einen, der Bauklötze schaufelt.

    Die Zeit kommt nie zurück.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s