Frau Klug und die Drohkulisse (Markus)

Frau Klug (Name geändert) ist 89, eine Art Hauswartin und ziemlich autoritär. Es kommt vor, dass sie aus ihrem Fenster in der zweiten Etage Müllmänner zusammenschreit, wenn sie die Tonne nach der Leerung nicht wieder an der richtigen Stelle parken. Sie klebt mit Vorliebe Zettel an die Tür zum Hof, auf denen sie darauf hinweist, die Tür zu schließen, Fahrräder nur an den für sie vorgesehenen Ständern abzustellen oder Motorräder unverzüglich aus dem Hof zu entfernen.

Ansonsten ist Frau Klug aber sehr nett, und außerdem ist es ja auch nicht schlecht, wenn jemand im Haus ein bisschen darauf achtet, dass nicht alles verlottert.

Die Kinder kennen Frau Klug natürlich auch, und immer wenn die alte Dame etwas umständlich und gebeugt die Treppe hinabsteigt, erstarren sie in Ehrfurcht.

Wir machen uns das manchmal zunutze, auch wenn natürlich nicht gerade pädagogisch sinnvoll ist. Als Paul neulich im Hof laut schrie, habe ich zu ihm gesagt: „Leise, sonst kommt Frau Klug!“ Er war augenblicklich still. Ein anderes Mal, als die Kinder beim Heruntergehen wieder mal durch andere Briefschlitze guckten, rief ich: „Frau Klug will das nicht. Gleich kommt sie runter!“  Und die Kinder hörten sofort auf.

Irgendwann haben die Kinder natürlich gemerkt, dass Frau Klug eben meistens nicht kommt, wenn wir sagen, dass sie kommt. Unsere Frau-Klug-Drohkulisse drohte zusammenzubrechen wie ein Kartenhaus.

Vor einigen Tagen waren wir mal wieder im Hof: Paul schrie, weil er sein Laufrad nicht mitnehmen durfte. Franz schrie, weil er den kleinen Müllwagen nicht fand. Lisas Hinweis auf Frau Klug wurde schlicht ignoriert. Die Kinder schrien, schmissen ihren Jacken auf den Asphalt, da konnten wir verbal noch so oft mit der Hauswartin um die Ecke kommen. Wir waren gerade auf dem Weg durch die Hoftür, als Helene plötzlich stehen blieb und etwas blass an der Hauswand hoch schaute. Über ihr am Fenster stand – Frau Klug. Frau Klug schrie nicht, sie sagte nicht einmal etwas, sie hob keinen Finger, sie stand einfach nur da und schaute.

Von einer Sekunde auf die andere waren alle Kinder leise. Danke, Frau Klug!

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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