Männertour (Markus)

Alle zwei Jahre mache ich mit elf alten Kumpels eine Männertour. Drei Tage ohne Ehefrauen, Freundinnen und Lebensabschnittsgefährtinnen. Dafür mit viel Bier, Whiskey Cola und Fußball. Nicht Fußball spielen, sondern über Fußball reden. Abgesehen von zwei oder drei Freunden interessieren wir uns eigentlich alle für Fußball und halten uns natürlich alle für gewiefte Taktiker und Trainer mit einer Lizenz, die mindestens ausreicht, um ein Team wie den 1. FC Köln dauerhaft in der Bundesliga zu halten; wir wissen, warum es bei Werder Bremen vergangenes Jahr nicht lief, bei Mönchengladbach gerade so gut läuft, warum Borussia Dortmund in der Champions League versagt und die Nationalelf 2012 Europameister wird.

Die letzte Tour allerdings war anders als alle davor. Klar haben wir auch über Fußball geredet. Aber eben auch über etwas anderes. Über etwas, was es 2007 oder 2005, als wir in Rom oder Brüssel waren, so noch nicht gab. Oder besser, noch nicht so zahlreich gab: eigene Kinder nämlich. Mittlerweile haben wir zusammen, äh, 17. Wow, ja, es sind tatsächlich 17 Kinder! Dabei haben nicht einmal alle von uns Kinder. Die älteste Tochter ist ungefähr zehn, der jüngste Sohn gerade geboren.

Wir haben über Erziehung geredet, wie Männer eben über Erziehung reden, wenn sie eigentlich an Fußball denken (weil Samstag ist und Bundesliga läuft) und gerade eine Runde Bier geholt haben. Erziehung ist natürlich ein großes Wort und vielleicht sollte ich besser sagen: Wir haben einfach über unsere Kinder geredet und mit ihnen angegeben.

Obwohl wir alle etwa gleich alt sind und aus der selben Region kommen, stellte sich heraus, dass wir alle einen ziemlich unterschiedlichen Erziehungsstil pflegen. Bei uns zum Beispiel dürfen die Kinder auch mal draußen und im Stehen pinkeln (damit sie endlich pinkeln), was bei den Kindern von Z. undenkbar wäre. Bei J. schauen die Kinder wenig fern, R.s Tochter, die älter ist, sitzt eher häufig vor der Glotze. Die Kinder von G. müssen früh und möglichst immer zur gleichen Zeit ins Bett. F. ist da lockerer: „Meine Kinder gehen, wenn sie müde sind.“

Dann erzählte C. von seinen Kindern. Er hat schon vier, sagte, dass er noch nie so gestresst sei, wie zur Zeit und dass das Leben wirklich wirklich anstrengend sei. Aber C. macht etwas, was uns imponierte. Er fährt mit seinem sechsjährigen Sohn alle paar Samstage ins Stadion und schaut sich auf der Südtribüne die Heimspiele von Borussia Dortmund an. Er hängt seinem Sohn vorher eine selbst gebastelte Tafel um den Hals mit dessen Namen und einer Handy-Nummer. Falls sich Papa und Sohn mal aus den Augen verlieren.

Und während wir darüber sprachen, ab wann man sein Kind mit ins Stadion nehmen sollte, waren wir plötzlich wieder bei unserem Lieblingsthema: Fußball. Wir waren bei der Bundesliga, der Champions League, der Nationalelf. Wir tranken Bier und Whiskey Cola. Und irgendwie war dann doch wieder fast alles wie früher.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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