Ein gutes Pflaster (Markus)

Das Kürzel WSV bedeutet, na klar, Winterschlussverkauf. Aber es steht auch noch für etwas anderes. Für eine Erfindung des US-Amerikaners Earle Dickson nämlich, für die wir heute nicht dankbar genug sein können und für die Dickson (1892-1961) posthum eigentlich einen Nobelpreis für alternative Placebo-Heilmetheoden oder zumindest – buchstäblich – einen Trost-Preis verdient hätte. Er erfand um 1920 den Wundschnellverband (WSV). Umgangssprachlich sprechen wir heute auch vom Pflaster.

Es ist an der Zeit, Dickson für das Pflaster zu danken. Würden Franz und Paul schreiben können, würde ich Sie jetzt zu einer Hommage an Dickson verdonnern. Den Pflaster-Mann aus Amerika. Und Franz und Paul würden sich wahrscheinlich sofort hinsetzen und schreiben. Denn niemand weiß besser als sie, wie bedeutend der Wundschnellverband (WSV) für das Wohlbefinden der urbanen Gesellschaft von heute ist. Was ist dagegen schon die Erfindung der Waschmaschine? Gut, sie erleichtert die Arbeit im Haushalt. Aber kann sie auch trösten?

Pflaster rettet Launen. Pflaster rettet Tage. Ja, es ist nicht übertrieben zu sagen: Pflaster rettet Leben.

Bei uns in der Wohnung liegen überall kleine Pflasterschnipsel herum. Mal sind es die kleinen Schutzstreifen der Klebeseiten, mal die schwarzen, weißen, beigen oder bunten Pflaster selbst. Sie erzählen Geschichten. Nicht nur von vermeintlich schmerzhaften Verletzungen unserer Söhne. Sondern auch von Dinosaurieren, Capt’n Sharky oder Lillifee. Wann immer es irgendwo am Körper schmerzt, brennt, juckt oder zwickt, verlangen Franz und Paul nach einem Pflaster. Wir haben ihnen lange die Bitte immer wieder erfüllt. Deshalb sind beide jetzt Pflaster-süchtig.

Als ich gestern von der Arbeit zurückkam, war Franz über und über mit Pflastern beklebt. An den Armen, an der Wange, an der Stirn, unterm Kinn, an beiden Daumen – überall klebte Dickens‘ gute alte Erfindung. Aber, hey, es ging Franz gut! Er lachte. Die Pflaster wirkten also. „Mama, is will auch Pflaster“, bettelte Paul in meine Richtung. Nachdem ich ihn korrigiert hatte, dass ich Papa sei, fragte ich ihn, wo es denn weh tue (denn ich sah kein Blut). Da zeigte er auf Franz und erklärte: „Überall.“

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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7 Antworten zu Ein gutes Pflaster (Markus)

  1. fraumutter schreibt:

    Genau! Und Mama will auch ein Ganz-Körper-Pflaster in Tiffany`s oder Cartier-Look.

  2. Kristina schreibt:

    Hahaha! Ich LIEBE euren Blog! Wie bei uns!

  3. Sebastian schreibt:

    Ihr Lieben! Johan (jetzt 21 Monate alt) hat das bunte Asterix-und-Obelix-Pflaster („Obelitz dran!“) nach der letzten Impfung (im September) drei Tage lang getragen, weil er es so toll fand (im Gegensatz zur Impfung selber). Sein Kumpel Willi, von Natur aus wenig schmerzempfindlich, zumal da aus Stoff, trägt sein Pflaster heute noch am Bein. Haben beschlossen, es einfach dran zu lassen – mindestens bis zum nächsten Arztbesuch… So überwiegt die Aussicht auf Trost, und die Erinnerung an den Piekser tut nicht mehr ganz so weh… Grüße aus Genf!

  4. mara schreibt:

    Wenn nur nicht das Abmachen mehr weh tun würde, als der Schmerz zuvor… Wenn es bei uns ganz schlimm wird, hilft nur Einweichen. Der Kinder. Ganzkörper. In der Wanne.🙂

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