Weihnachtsbäckerei (Lisa)

Ich gebe mir ja Mühe. Wirklich. Und, nein, ihr lieben Ratgeber-Fuzzis, ich versuche nicht einmal, eine perfekte Mutter zu sein. Eigentlich sind meine Nachmittags-Programm-Ideen eher so etwas wie Selbstschutz-Maßnahmen mit Hintergedanken à la: Wie schaffe ich es am besten, möglichst wenig Streit und Chaos bei den Kids hervorzurufen, um am Abend nicht wieder geschlagen und fix und alle über einem Sessel zu hängen und zu warten, bis mich ein hoffentlich bald vorbeikommender Schwerlasttransporter ins selig herbeigewünschte Bett transportiert.

Ja ja, drei kleine Kinder, schlechtes Wetter, eine Wohnung ohne nutzbaren Balkon oder Garten. Das ist schon was. Sicherlich wurde für Mütter wie mich auch irgendwann die „Vorweihnachtszeit“ erfunden. Damit man einen Grund hat, mal klassische Musik mit Glöckchen aufzulegen. Damit man mal wieder die Blockflöte hervorkramen kann (um sie dem Bruder auf den Kopf zu hauen … „der hat aber angefangen“) und sich auf die Küche besinnen kann.

Ja genau, die Küche. Da gehören wir ja leider auch heute noch öfter hin, als es der Feminismus für uns vorsieht und damit das nicht so bleibt, trainiere ich auch meine Jungs in Sachen Schnippeln, Rühren, Brutzeln. Nicht in jeder Familie wird das scheinbar so ernst genommen, zumindest bekommen viele unserer Gäste einen halben Herzinfarkt, wenn sie die Dreijährigen mit den scharfen Fleischmessern hantieren sehen. Nun gut.

Ich habe mich gestern nachmittag also erbarmt, gehört ja dazu, und dachte: Plätzchen backen. Damit verbunden ein Supermarktbesuch (Zeit schinden, dann ist’s nicht mehr so lang bis zum Abend), ein Topfkonzert und laute Diskussionen, wer auf welchem Stuhl stehen darf, um an der Anrichte stehen zu können. Helene war´s schon da zu blöd. Sie zog sich zurück in ihr Zimmer. Hätt ich auch gern gemacht. Ging aber nicht, ich musste helfen abzuwiegen, zu rühren, zu klopfen.

Mehl in allen Ritzen. Puderzucker-Wolken in der Luft. Die ersten Teiglinge im Ofen, einen zweiten Teig geknetet, einen dritten angesetzt. Immer zwischen Kindern, Kochbuch, Schrank und Herd switchend. Was für ein Marathon! Während ich den Boden von klebrigen Resten befreite, sich die Jungs auf dem Flur prügelten und ich dem Wahnsinn endgültig nahe war, verbrannten die Plätzchen im Ofen. Und bevor die nächsten reingeschoben wurden, schrien die Kinder nach: Abendessen!

Als dieser Spuk endlich vorbei war, die Kinder friedlich mampften und ich zum ersten Mal an diesem Tag s-i-t-z-e-n durfte, da atmete ich durch, spürte meinen Rücken und beobachtete meinen Mann beim Verzehr einer unserer Kokosmakronen. Sie zogen ihm fast die Plomben aus den Zähnen, so klebrig waren die. „Ich hab halt keinen grünen Daumen. Also in der Küche“, sagte ich. Und er fragte: „Was habt ihr da reingetan?“

Advertisements

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Weihnachtsbäckerei (Lisa)

  1. zwillingspapi schreibt:

    Erinnerungen an vergangenes Wochenende werden wach…. und ein neues steht mit Zwillingen bevor. In diesem Sinne allen eine schöne Weihnachtszeit…. 😉

  2. fraumutter schreibt:

    Oh ja ich weiss, eigentlich will man die Kinder mitmachen lassen, aber eigentlich will man nicht NOCH mehr Arbeit in der Küche haben. Vielleicht sind diese Fertigteige was? Kann man auch ausrollen und ausstechen, aber die Mehl-Orgie bleibt erspart

  3. Tanja schreibt:

    Oh Gott, Dankedankedanke, daß ich nicht die einzige bin!!! 🙂
    Bei uns war es ORIGINAL der gleiche Ablauf … inklusive des gleichen Ergebnisses (s. Foto)!!
    Mein Migefühl gehört Dir … und ich schicke Dir virtuell eine (leckere, weil jetzt gekaufte) Makrone aufs Sofa! 🙂

  4. Jaegerin schreibt:

    Ist das da Porrée?

  5. mara schreibt:

    Datt issja wie bei uns. Mein Mitgefühl! (Bisher habe ich das Thema backen noch nicht angesprochen…)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s