Ich will ins Büro! (Lisa)

„Mal angenommen, du bist nicht gerade Pilot oder Herzchirurg – was ist das Schlimmste, was in deinem Job passieren kann? Eine Kampagne floppt? Eine Präsentation wird nicht rechtzeitig fertig? Irgendjemand hat irgendwelche Zahlen nicht rechtzeitig auf dem Tisch? Na und? Wenn du zu Hause eine Sekunde nicht wie ein Schießhund aufpasst, haut sich dein Kind den Kopf auf, pinkelt in die Steckdose oder nippt am Rohrreiniger. Das ist echte Verantwortung. Und die ist Lichtjahre anstrengender als der anstrengendste Tag in deiner lächerlichen Agentur oder wo auch immer.“

Was Constantin Gillies in seinem Buch „Wickelpedia“ da beschreibt, ist mein alltäglicher Wahnsinn. Und es geht bei mir nicht um einen Rohrreinigerschlucker. Sondern um drei. Selbst schuld, wer so viele Kinder kriegt, sagen die Oberschlauen jetzt. Ich bin es aber nicht selbst schuld. Bätsch. Oder hab ich auf meinen Kinderwunschzettel Zwillinge drauf geschrieben? Siehste.

Nun, ich hatte mal einen Job, bei dem es ähnlich verrückt zuging, wie bei mir jetzt zu Haus. Da flogen auch schon mal Gegenstände durch die Luft, wurde „Scheiße, Kacke“ gerufen im Großraumbüro und es war immer laut mit Totti und Steini und Michi und der blonden Kavallerie. Trotzdem gab es einige entscheidende Unterschiede.

Erstens: Ich wurde für den Wahnsinn bezahlt. Zweitens: Ich hatte irgendwann Feierabend. Drittens: Ich konnte einen Text versemmeln, ja, aber eben kein Menschenleben durch Unachtsamkeit auslöschen.

Seit ich Kinder habe bin ich der lebende Rettungssanitäter. Ich klebe Pflaster, puste Beulen und rette Leben an der Straße, am Fenster, dauernd, immer wieder. Über den täglichen Spagat zwischen Leben und Tod hab ich hier auch schon geschrieben und Markus über seine Lebensretterqualitäten aus der Ferne.

Ja, unsere Kinder sind aktiv. Keine Stillsitzer. Ein Foto mit allen dreien? Gibt es nicht. Sie sind einfach immer schneller als der Auslöser. Schade für die Verwandtschaft, aber weder lebensgefährlich noch nachhatlig belastend für andere Menschen.

Nun geraten ebendiese mittlerweile aber mehr und mehr in den Dunstkreis unserer Kinder. Mit 5 bzw. 2x 3 Jahren, dachte ich nämlich eigentlich, die Kids müssten so langsam gesellschaftsfähig sein und könnten auch mal mit in ein Café oder zu einer Freundin. Falsch gedacht.

Da besuchen wir Caro mit ihrem frischgeborenen Sohn in einer sehr hübsch, aber leider nicht kindersicher eingerichteten Wohnung. Der Rohrreiniger steht weit weg, aber die chinesischen Wackelkatzen im Regal, die haben es den Dreien angetan. Es gibt ungefähr dreißig Stück. Echte Kunst. Und während wir die anderthalb Kilo Kakopulver vom Küchentisch wischen, den die Herrschaften soeben mit Freude in alle Ritzen verteilt haben, beginnen die Katzen zu leben.

Miau höre ich aus dem Wohnzimmer und dann einen Knall. Ein Schrei. Paul hat das Regal samt Dübeln aus der Wand gerissen. Gut, es war ein Ikea-Regal, aber ist es zu viel verlangt, dass meine Kinder vielleicht wenigstens die Möbel an Ort und Stelle lassen, wenn sie schon ihre Finger von der Kunst nicht lassen können?

Wie schön dagegen ein Ganztagsjob wäre. Ich halte es da ganz mit der Wickelpedia-Meinung. Arbeiten muss pure Erholung sein! Auch da mag es Tage geben, die man gern schnell vergessen möchte. Aber sicherlich nicht solche.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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2 Antworten zu Ich will ins Büro! (Lisa)

  1. Sven schreibt:

    ja, das können sich die kinderlosen Agenturmenschen nicht vorstellen, wie es abgehen kann. Wenn man dann noch selbstständig ist und zwischen Kindern, Kunden, Kindergarten jongliert, weiß man abends, was man geschafft hat. Oder?
    In diesem Sinne beste Grüße nach Berlin!!

  2. nusenblaten schreibt:

    🙂 Kann ich ein Lied von singen. Beste Grüße zurück!

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