Ich bin dann mal weg (Lisa)

Ein spontaner Frustabbau am frühen Morgen zerstreut Kummer und Sorgen. Stimmt’s? Eben. Ich hab mich also heute morgen ausgetauscht. Mit Katrin. Per Chat. Unsere Zwillinge sind nämlich zum gefühlt hundertsten Mal in diesem Jahr krank und so langsam wird’s mir echt zu bunt. Denn an wem bleibt das Tränentrocknen, Fiebermessen und Wadenwickelwickeln hängen? An der Person natürlich, die im Homeoffice arbeitet. A.R.B.E.I.T.E.T. Genau. Daneben zwei kranke Heulsusen. Dauerhaft, denn länger als sieben Tage Gesundheit schaffen die einfach nicht. Das ist selbst für meine gestählten Nerven zu viel. Heute jedenfalls. Also schreibe ich Katrin und die stimmt mit mir ins Jammerlied ein…

Alles bleibt an uns Frauen hängen, während die Kerle gemütl… Und so weiter. Ja, es sei ungerecht, alles, sagt sie. Und gibt mir ein Hass-Stichwort. Kai Wiesinger. Wie sie sich aufgeregt habe über das Interview mit ihm zur Trennung von seiner Frau. Und, oh ja, darüber habe ich mich auch aufgeregt am Wochenende, fast musste ich die BamS zerreißen, als ich las:

Immer vom Dreh nach Hause, dann was kochen, mit den Kindern zu Freunden fahren, zum Reiten oder zum Ballett – das konnte für mich nicht so weitergehen. Auf einmal hatte ich Hunger auf ein anderes Leben. Ich habe meine Vatergefühle nicht verloren, aber ich hatte mein altes Leben satt.

Du armer armer Schmusebär. Was tust du mir leid. Ist auch echt ein hartes Los, was? Die Frage ist nur: Was, wenn deine Frau das auch mal satt hat? Kinder ins Heim, oder wie?

Zu seinen Kindern sagt er:

Ich habe versucht zu erklären, dass meine Liebe zu ihnen bedingungslos bleibt und ich immer für sie da bin. Ich hoffe, dass die beiden mich später verstehen können.

Papa, ich kann verstehen, dass du lieber zum Yoga wolltest und geile Bratzen aufreißen als mir den Arsch abzuwischen. Oder wie?

Das ist sehr egoistisch, aber ich schäme mich nicht dafür. Ich glaube, wenn man nicht auch mal nur an sich denkt und tut, womit man glücklich ist, geht man irgendwann kaputt. Das ist für uns vier schmerzhaft, aber langfristig richtig.

Arschloch, sagt Katrin. Idiot, sage ich. Stell dir mal vor, was los wäre, wenn eine Frau solche Dinge sagen würde! Ach, ich hatte einfach keinen Bock mehr auf die Kleinen, ich muss ja auch mal an mich denken. Sie werden mich schon irgendwann verstehen…

Ja klar werden sie das. Aber nicht ohne die Hilfe ihres Therapeuten, mein lieber Herr Gesangsverein.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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5 Antworten zu Ich bin dann mal weg (Lisa)

  1. lykkalu schreibt:

    Dann wünschen wir seiner Verlassenen und den Kindern mal fette Unterhaltszahlungen auf dem Konto und dem Herrn Wiesinger viel Spaß beim Austoben….Die Frage ist doch wie lange er dieses Leben durchhält…Kinder-Stress und langweiliger Familienalltag hin oder her. Fakt ist: Das immer gleiche Familientralala gibt einem auch den nötigen Halt und innere Stabilität und das kann in unserer abgedrehten Welt sehr hilfreich sein. (In der Welt der deutschen B-und C-Promis ist das Leben bestimmt noch viel abgedrehter und ein Familientrott noch viel viel hilfreicher!)

    Auch ich schwinge momentan den Inhalator und schlafe mit einem verrotzten Baby auf der Brust doch ganz ganz tief in meinem Inneren liebe ich es…Und: In 10 Jahren ist das doch alles läääängst vergessen….

  2. Dieter W. schreibt:

    Nur als Beispiel: Ingrid Bergman hat ihren Mann und ihre Tochter verlassen, um mit Roberto Rosselini zusammen zu sein. Und sie ist dafür auch heftig kritisiert worden. Ich kann jetzt aber auch nicht erkennen, daß Kai Wiesinger irgendwelche Loblieder gesungen bekommt. Die WELT hat ihm die Note 5 für die Art der Ehe-Abwicklung gegeben (http://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article13839386/Schoener-scheiden.html), die BUNTE geht auch nicht sehr freundlich mit ihm um (http://www.bunte.de/service/bunte-heft/editorial-papa-ist-dann-mal-weg-_aid_29541.html). Und von wegen Popo abwischen: Die Kinder sind elf und dreizehn Jahre alt. Ein bißchen durchgehalten hat er also schon.

    Dieter

  3. Alex schreibt:

    Dass du, lykkalu, als Erstes an Unterhaltszahlungen denkst, lässt tief blicken. Nicht das Kindeswohl liegt dir am Herzen, sondern dein Geldbeutel. Schöne neue Welt…

    • lykkalu schreibt:

      Natürlich ist es für Frau und Kind furchtbar, dass muss man aber nicht extra erwähnen…. Und: Ja, ich denke an Unterhaltszahlungen…bluten soll er dieser Frau-.und-KInder-Verlasser…Ein bisschen wehtun muss es ihm schließlich auch.

  4. Miriam schreibt:

    Habe mich schlapp gelacht beim Lesen. Sprach mir aus der Seele. Nein, Kai Wiesinger hat keine Loblieder gesungen bekommen, wieso auch. Aber das öffentliche Bekenntnis klingt eben doch sehr dreist. Vielleicht hätte er einfach mal den Mund halten sollen.

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