Ich bin dann mal weg (Markus)

Es ist jeden Morgen dasselbe schöne Ritual – und es scheint, als hätten Franz und Paul sich abgesprochen, wenn Sie mir abwechselnd erklären, warum es auch diesmal wieder nicht nötig ist, dass ich jetzt zur Arbeit gehe. Drei Beispiele:

Franz: „Papa, gehst Du jetzt zur Arbeit?“ – „Ja!“ – „Du musst aber kein Geld verdienen. Wir haben doch genug.“

Paul: „Papa, gehst Du jetzt zur Arbeit?“ – „Ja!“ – „Och nö. – „Doch, ich muss doch Geld verdienen, damit Du morgen Dein Müsli essen kannst.“ – „Ich mag kein Müsli.“ – „Dann eben Brot. Auch dafür brauchen wir Geld.“ – „Ich mag auch kein Brot. Du musst also nicht arbeiten.“

Franz: „Papa, gehst Du heute zur Arbeit?“ – „Ja!“ – „Du sollst aber nicht zur Arbeit gehen.“ – „Warum nicht?“ – „Weil ich dann den ganzen Tag weine.“

Gestern habe ich mir, angeregt durch Lisas Beitrag, vorgestellt, ich würde jetzt den Wiesinger machen und nach der Arbeit einfach nicht zurückkehren. Ich würde mich so rechtfertigen: Ich habe versucht zu erklären, dass meine Liebe zu ihnen bedingungslos bleibt und ich immer für sie da bin. Ich hoffe, dass die beiden mich später verstehen können. Das ist sehr egoistisch, aber ich schäme mich nicht dafür. Ich glaube, wenn man nicht auch mal nur an sich denkt und tut, womit man glücklich ist, geht man irgendwann kaputt. Das ist für uns vier schmerzhaft, aber langfristig richtig.

Was heißt eigentlich später verstehen? Ich bin sicher, meine Kinder würden mich jetzt schon verstehen. Helene würde sagen: „Lieber Papa, ich habe vollstes Verständnis für Deinen Schritt. Du musst auch an Dich denken und nicht immer nur an Deine Kinder, die so oft Fieber haben, Meister Propper in den Trockner kippen und die Gartenkresse mit Cola und Milch. Also, wenn ich Du wäre, Papa, ich würde es genauso machen.“

Das ist natütlich Bullshit. Kinder zeigen kein Verständnis für den Egoismus des Vaters. Sie wollen, dass er da ist. Nicht mehr und nicht weniger. Sie haben ja nicht mal Verständnis dafür, dass er zur Arbeit geht, um Geld zu verdienen.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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Eine Antwort zu Ich bin dann mal weg (Markus)

  1. fraumutter schreibt:

    Super post und sehr richtig. Udn „den Wiesinger machen“ ist eine ebenso schöne Wortschöpfung wie „wulffen“

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