Mutterkrise (Lisa)

Es begann mit einem All-inclusive-Urlaub. Survival of the best am Buffet, die Gesichter der Kinder rosa-lila vermatscht, der Weihnachtsmann auf dem Kamel. Was sich nach einem alptraumhaften Horrortrip anhört, war für mich der Beginn einer neuen Phase. Ich musste nicht kochen, die Kinder wurden geschminkt und das Weihnachstfest war fremd organisiert. Ich konnte lesen, ich konnte liegen, ich konnte launig sein oder fröhlich. Es interessierte – niemanden. Ich fühlte mich wie im Rausch. Es war traumhaft.

Nach meiner Rückkehr begann dann der Kater. Mich nervete – alles. Jedes umgefallene Glas der Kids, die tägliche Unordnung, jeder verpasste Partyabend. Ja, selbst das. Ich hatte kurz einen Schluck von meinem alten, selbst bestimmten Leben genommen und wollte nun ein ganzes Fass. Das war eine schwere Phase, aber eine wichtige. Ich habe alles hinterfragt und beleuchtet und freue mich über die Einsicht, dass es zwar eine neue Mama-Lisa gibt, die alte aber noch in mir schlummert.

Und werden nicht Weine mit den Jahren der Lagerung auch besser? Eben! Ich leg das Alte-Lisa-Fass mal runter in die Katakomben meines Ichs und werd mal schauen, wann ich mir das nächste Schlückchen genehmige. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass das nicht mehr so lang dauert. Dass ich jetzt öfter mal im Keller naschen werde. Ich beginne am besten schlückchenweise, damit mir das mit dem Vollrausch wie im Urlaub nicht wieder passiert – und ich am Ende nicht wieder mit einem Kater zurück in den Alltag muss. Zurück zum Ich in Dosen. Nicht in Konserven, sondern dosiert. Versteht sich.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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