Warten (Lisa)

Erst war es der falsche Handschuh an seiner Hand. Dann der falsche Regenschirm in seinem Arm. Und als Franz schließlich schreiend ins Auto stieg, begann es bestialisch zu stinken. Mein dreieinhalbjähriger Trotzkopf war zu allem Übel dieses Nieselregenmorgens also auch noch in Hundescheiße getreten. Ich hätt alles in Stücke reißen können, mein Leben, die Autositze, was auch immer.

Im Kindergarten dann mit dem Stinkschuh zum Babywaschbecken. Normalerweise regle ich die Profilkratzerei ja mit einem Messer, das ich danach weggewerfe, das kam ja nun nicht in Frage. Also erstmal mit der Babyklobürste ran und schließlich, ja, es war erbärmlich, mit den Fingernägeln. Die letzten Reste. Nicht nur vom Dreck sondern auch von Anstand und Würde. Ich brauchte jedenfalls kein Frühstück mehr, fuhr zur Arbeit, fühlte mich wie die schlimmste Mutter der Welt, weil ich mal wieder die Nerven über meinen Trotzkopf verloren und die Kinder in einer Tonlage über meine Empfindlichkeiten unterrichtet hatte, die jugendamtswürdig gewesen wäre.

Zur Strafe sitze ich jetzt mit einem Migräneanfall vor dem Rechner und warte aufs Happy End. Und warte. Und warte …

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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5 Antworten zu Warten (Lisa)

  1. Susanne schreibt:

    Die Tonlage. Ja, die schürt das schlechte Gewissen im Nachhinein besonders. Aber manchmal geht’s einfach nicht mehr. Wir sind keine Übermenschen. Das Happy End kommt bestimmt gleich!

  2. Nicky schreibt:

    Vielen Dank, ich konnte herzhaft lachen! Mit den Fingernägeln, ja, ich verstehe was du meinst, wenn die Würde und der Anstand irgendwie auf einmal weg sind!

  3. Jeannette Chasewall-Walther schreibt:

    Liebe Lisa,
    das kennen wir alle und ärgern uns hinterher… Wie schon Susanne schreibt, wir sind keine Übermenschen. Denk einfach, in ein paar Stunden machst Du alles besser, wenn Du sie wieder abholst :o)))

  4. Marlene´s Mom schreibt:

    Ja diese Hundehaufen ey. Flipp ich aus wenn ich zum Auto tänzeln muss. Wir haben selbst einen und es gibt Hundehaufentüten. Ich wurde schon häufig gelobt, dass ich das wegmache. Traurig eigentlich. Sollte doch normal sein.
    Also wenns hilft, überall wo wir lang spazieren und der Hund hinhäuft, gibt´s ein kleines freies Stück Happy End!
    Und ich hab ja mal gelesen: Das ist alles nur eine (Trotz)phase…. Hmmm.

  5. Maras Mama schreibt:

    Ich hoffe mal nicht, dass die Trotzphase direkt in die Pubertät übergeht. Meine Kleine ist jetzt 1 1/2 und hat schon voll ausgewachsene Trotzanfälle – am Liebsten in der Öffentlichkeit. Noch bleibe ich relativ ruhig, aber wenn das dauerhaft so weitergeht, dann … ;o)

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