Helenes erstes Derby (Markus)

Heiligenhauser SV - SV RefrathEs lief die 53. Minute im rheinisch-bergischen Derby. Bezirksliga-Spitzenreiter Heiligenhauser SV lag gegen den SV Refrath 1:2 hinten. Die Stimmung im Rolf-Hahn-Stadion drohte zu kippen. Unmutsäußerungen, Kopfschütteln, höhnisches Klatschen. Drohte tatsächlich eine Heimniederlage?

Die Zuschauer hielten sich fest an Kölsch und Filterkaffee mit Kondensmilch. Ich habe mir kurz vorgestellt, wie es in Berlin gewesen wäre. Beim Duell zwischen, sagen wir dem SV Empor Berlin und Eintracht Mahlsdorf. Hätten die Zuschauer hier ihren Latte Macchiato umklammert, ihre Bionade und dazu ein Dinkel-Croissant? Nein! Wer am Wochenende zum Fußball geht, der ernährt sich ehrlich. Von Bratwurst, Bouletten, Bier und Filterkaffee. Das ist in Berlin nicht anders als im Rheinisch-Bergischen Kreis, wo wir jetzt wohnen. Nur dass die Bouletten hier Frikadellen heißen. Und das Pils Kölsch.

Helene war bislang erst einmal beim Fußball gewesen. Damals allerdings gleich im Olympiastadion. Hertha BSC gegen Werder Bremen. Sie war 3, und ich hatte ihr beigebracht, „Werder!“ zu rufen, was sie zum Unmut vieler Fans um uns herum dann auch getan hatte. Am Sonntag, in jener 53. Minute, habe ich ihr verboten, „Werder!“ zu rufen, das hätte die Fans des Heiligenhauser SV gegen uns aufgebracht, wir wären von den aufgebrachten unter ihnen vermutlich mit aus dem Rolf-Hahn-Stadion gedrängt worden, ein schlechter Einstand in unserer neuen Heimat wäre das gewesen. Ich sagte also, wenn sie schon schreien wolle, solle sie am besten „Heiligenhauser SV!“ rufen. Sie schaute mich an, stammelte etwas von „Heilig… V“ und fragte dann so laut, dass es alle Fans im Umkreis von 20 Metern hörten: „Ist das hier eigentlich Frauenfußball?“

Wir haben uns dann Richtung Ausgang geschlichen.

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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Eine Antwort zu Helenes erstes Derby (Markus)

  1. Schön, dass es hier bei Euch weitergeht. Und auch noch mit so ner schönen Einstandsgeschichte. Frauenfußball. Herrlich. Das erinnert mich an meine Altbier-Bestellung in Keldenich beim Karneval vor vielen Jahren. Da musste ich mich dann auch rausschleichen…

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