Raucherbabys (Markus & Lisa)

Contra Kaugummizigaretten (Markus)

Rauchen ist Protest, sagte ein Bekannter einmal. Und deshalb sei es wichtig, dass Jugendliche (für eine gewisse Zeit) zur Zigarette griffen. Denn damit grenzten sie sich von ihren Eltern ab.

Unsere Kinder sind sechs und drei. Soll ich es auch als Protest abtun, dass sie rauchen? Gut, sie ziehen nicht an echten Zigaretten, aber seit ein Gast ihnen am Wochenende Kaugummi-Zigaretten schenkte, hat jedes von ihnen permanent eine Schachtel in der Hand und eine Fluppe im Mund. Diese Kaugummi-Zigaretten sehen mit ihrem Papier aus wie echte Zigaretten, außerdem stoßen sie (beim ersten Pusten) Rauch aus. Franz und Paul halten den Kaugummi-Stängel schon ziemlich professionell zwischen Zeige- und Mittelfinger, was sie sich bei Bekannten abgeschaut haben. Und sie merken, dass sie damit total cool sind.

„Haha, guck‘ mal, die Kleinen rauchen schon“, meinte eine rauchende Jugendliche zu ihrer Freundin, als unsere kleinen Kaugummi-Raucher an ihnen im Freibad vorbei marschierten. Ich schämte mich in Grund und Boden und sagte entschuldigend. „Ist nur Kaugummi.“

Die Schachteln sind mittlerweile leer, und von mir gibt’s definitiv keine neuen. Heute fange ich mit der Entwöhnung an, werde ihnen Bilder von Krebs-Lungen zeigen. Und die Bekannte, die ihnen die Zigaretten geschenkt hat darf sich beim nächsten Mal ein anderes Geschenk ausdenken.

Pro Kaugummizigaretten (Lisa)

Rauchen ist Protest? Klar. Protest gegen das von den Eltern auferlegte Rauchverbot. Markus und ich sind Nichtraucher. Gerade, um sich von uns abzugrenzen, werden sie es also als cool empfinden, uns einen vorzupaffen: „Sehr nur her, wie eigenständig und individuell und anders wir sind.“ Also finde ich es wunderbar, ihnen diese Kaugummiteile zu geben. Bedürfnis befriedigt. Rebellentum auch. Dann brauchen sie später gar nicht zu echten Kippen zu greifen.

Erinnerst Du Dich eigentlich an unsere Kindheit? Ich hatte dauernd Kaugummi-Zigaretten, niemand kam auf die Idee, das politisch unkorrekt zu finden. Es gibt ja schließlich auch Malzbier. Wird man davon direkt zum Alki? Und haben uns die Kinder-Zigaretten damals zu echten Rauchern gemacht? Nein. Also lass den Kindern doch den Spaß.

Und das mit den Lungenkresbildern kannst du auch lassen. Zeig ihnen lieber ein paar schlimme Kariesfälle. Ich hab nämlich noch nie ein Kind gesehen, dass von zuckrigem Kaugummi an Lungenkrebs erkrankt ist, also ehrlich.

Trotzdem muss ich eins gestehen: Die Kinder können hier in unseren eigenen vier Wänden ja gern mit den Spiel-Fluppen rumlaufen oder mit Salzstangen, an denen sie rumpaffen oder mit sonstwas. Nur den Nachbarskindern: Denen sollen sie ihre täuschend echt aussehenden Kippen-Imitate dann doch nicht andrehen. Nicht, um die Kinder zu schützen, meine ich. Sondern um mich selbst vor deren Eltern zu schützen. Denn political incorectness war vielleicht in unserer Kindheit cool – kommt aber heute irgendwie gar nicht mehr so gut an…

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
Dieser Beitrag wurde unter Elternalltag abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Raucherbabys (Markus & Lisa)

  1. iLilly schreibt:

    zum Thema: Absolut Contra, aber wir sind auch mittlerweile militante Neu-Nichtraucher😉

    Extra: kleine Überraschung für euch auf meinem Blog!

  2. Cocoloress schreibt:

    Ob ich mir mithilfe der Kaugummi Zigaretten wohl das Rauchen abgewöhnen kann? Ist doch billiger als Hypnose…

  3. Inch schreibt:

    Ich finde es schon merkwürdig, dass es Kaugummizigaretten gibt. Worin soll der Sinn dieser bestehen? Ich glaube, im Osten waren wir frei von solchem Mist.
    Was nun das Erlauben oder Nicht Erlauben angeht, finde ich es ziemlich bedenklich, meine Entscheidung von der Meinung der Nachbarn abhängig zu machen. Ich meine, hier geht es „nur“ um Kaugummizigaretten. Und morgen? Ums Fahrrad?

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s