Wunderheiler (Markus)

Es gibt einen Wunderheiler bei uns im Bergischen Land. Einen Arzt, der angeblich die große Gabe hat, körperliche Beschwerden durch Ausatmen und Handauflegen zu lindern und der – wenn ich Bekannten glauben soll – auch die Wurzeln seelischer Qualen ziemlich genau beschreiben kann. Ich kenne viele, die an diesen Mann glauben und sich, wenn sie dessen Praxis verlassen, besser fühlen. Und das ist ja, ehrlich gesagt, die Hauptsache.

Wenn der Schulmediziner nicht weiter weiß oder mal wieder keine Zeit hat, weil er vor Geschäftsschluss noch schnell einen neuen Golfschläger kaufen möchte, dann hilft der Wunderdoktor. Denn obwohl sein Wartezimmer immer sehr voll ist, hat er Zeit. Wer bei ihm war, berichtete anschließend, er habe das Gefühl gehabt, er sei der einzige Patient am ganzen Tag gewesen – so viel Zeit habe sich der Wunderheiler für ihn genommen.

Meine Frau hat gestern auf Anhieb einen Termin bei ihm bekommen. Angeblich, weil eine andere Patientin kurzfristig abgesprungen ist, aber wahrscheinlich hat der Wunderheiler einfach mal wieder ein Wunder vollbracht und meine Frau zu sich auf den Stuhl gezaubert.

Der Grund für den Wunderheiler-Besuch meiner Frau war eine Mischung aus verzweifeltem Glauben und glaubhafter Verzweiflung. Das ist so eine Art typischer Zustand einer Zwillingsmutter, die bislang vergeblich auf zwei Plätze in einem Kindergarten gehofft hat und eigentlich permanent darum bemüht ist, Schaden abzuwenden – vom Haus, vom Hof, vom eigenen Körper. Oder, in den Worten meiner Frau: „Franz hat auf den Hof gekackt und seine Exkremente anschließend mit einem Schneebesen umgerührt. Paul hat sein Magnum-Mandel-Eis in Omas Teppichboden gerieben. Und ich geh‘ um 16 Uhr zum Wunderheiler.“

Dieser SMS-Wortlaut erreichte mich gegen 15.30 Uhr. Und ich überlege jetzt, ob wir dem Wunderheiler nahe legen sollten, bei uns einzuziehen. Anlässe für Wunderheilungen gäbe es genug.

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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4 Antworten zu Wunderheiler (Markus)

  1. kristina schreibt:

    Wenn’s hilft, komm ich auch in’s Bergische Land! Bitte berichten!

  2. Cocoloress schreibt:

    Wie wäre es mit einem Hellseher? Dann würden wir auch Informationen bekommen, ob Frauen in naher Zukunft in den Krieg ziehen. Gute Besserung anyway…

  3. Sven schreibt:

    Macht Ihr beim nächsten Mal bitte einen Termin für 2 aus:-)

  4. Anne schreibt:

    Sehr schöner Text 🙂

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