Gelebt wie gebunden (Lisa)

Warum nur, muss durch Kinder alles so verbindlich werden?

Ich liebe Unverbindlichkeiten. Spontaneität. Flexibilität. Mal schauen, was kommt – oder nicht. Am Wochenende mal treffen? Mal sehen. Ich halte mir gern alles offen. Wir halten uns gern alles offen. Und entscheiden dann in der Situation selbst aus dem Bauch heraus.

Mal sind wir eine Woche hier, mal eine dort, wir sind viel unterwegs, reisen gern, verbringen mal ein Wochenende bei Freunden oder laden welche ein oder machen auch gern mal gar nichts.

Neulich waren wir bei einer anderen Familie zu Besuch. Der Garten war einfach perfekt mit selbst gebautem Baumhaus etc. Das Haus war ebenso perfekt. Da das nicht dem Bild unseres eigenen Zuhauses entspricht, hielten wir für uns fest:

Wir investieren unser Geld ins Wegsein. Diese Familie investiert es ins Dasein. Zuhause sein. Wir legen uns halt so ungern fest. Wir wissen nicht, ob wir da, wo wir sind, lange bleiben werden. Wozu also perfekt einrichten? Hauptsache praktisch. Unverbindlich. Wir haben keine Lebensversicherung, wir haben keinen Bau-Kredit am Hals und leben einfach so rum.

Jetzt steht im Sommer die Einschulung von Helene auf dem Programm. Verbindlicher gehts ja wohl nicht. Ein Zetplan wird da auf unser leben draufgelegt, den wir nicht beeinflussen können. Kein Reisen mehr, wann wir wollen, kein Umziehen mehr einfach so, weil die Bundesländer schließlich unterschiedlich unterrichten. Und da denken wir dann schon mal nach über uns und unseren Lebensstil.

Und dann kommt am Ende des Tages die Überraschung. Wir sind nämlich irgendwie trotzdem noch spontan und flexibel – trotz Kindern. Nicht vom Terminkalender und der Zeitplanung her, wie früher. Aber zumindest in den verschiedenen Momenten des Miteinanderlebens.

Wenn das Kind nicht ins Auto einsteigen will zum Beispiel, weil ihm die Fußmatte plötzlich nicht mehr gefällt, wie heute morgen. Dann erklären wir die Matte spontan zu einem fliegenden Teppich und das Kind steigt ein. Und wenn das Kind mal wieder krank ist vor einer wichtigen Prüfung, wow sind wir dann flexibel! Und setzen Hebel in Gang, damit dann doch noch alles klappt.

Der Fokus hat sich verschoben. Im Großen und Ganzen müssen wir jetzt viel verbindlicher sein. In den einzelnen Momenten des Tages haben wir uns die Unverbindlichkeiten aber erhalten.

Unser Trost!

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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Eine Antwort zu Gelebt wie gebunden (Lisa)

  1. Helen schreibt:

    Hallo Lisa,
    sehr sehr schön beschrieben. Ich denke das passt generell fürs „Erwachsen sein“ ob mit oder ohne Kinder, gibt es einfach mehr „Verbindlichkeiten“. Außer man ist natürlich bereit ausschließlich in „Provisorien“ zu leben. Aber dann verpasst man natürlich auch das „daheim“ sein und und angekommen sein.
    Besonders schön finde ich aber die Beschreibung, wie man trotzdem noch Flexibilität im Alltag zulassen kann, bzw. das alles anders wird, aber vielleicht nicht schlechter.
    LG Helen

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