Von Pfennigen, Wählscheiben und Panzern (Markus)

Es ist vielleicht zwei Jahre her, als Helene fragte, was das denn sei, dieses Ding mit dem krummen Hörer, der Scheibe und den Ziffern, das sie bei Oma und Opa im Keller gefunden hatte. Telefon – das kannte sie nur als schlanken, schnurlosen Knochen mit Display und Ziffertasten, die, wenn man sie drückt, einen schwachen Ton absondern.

Es ist ist keineswegs tragisch, dass Helene und ihre Brüder nicht wissen, wie ein Telefon einmal ausgesehen hat, es ist allenfalls schade, denn das alte Telefon war zumindest ästhetisch ansprechender als seine funktionalen Nachfolger.

Beim Geld geht es weniger um Ästhetik, als um ein fast ausgestorbenes Wort: Pfennig. „Papa, was ist ein Pfennig?“, fragte Franz. Seine Währung heißt Euro und Cent – oder einfach Geld. „Ein Geld, zwei Geld, drei Geld.“ Aber Pfennig? Würde er in Griechenland leben, hätte er wahrscheinlich die Chance, neben dem Euro bald den Namen der Vorgänger-Währung zu lernen. Aber im wirtschaftlich starken Deutschland? Sieht nicht so aus, als würde er hier jemals wieder einen Pfennig benötigen.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass wir mit D-Mark bezahlten und Nummern mit der Telefonscheibe wählten. Für unsere Kinder sind diese beiden Errungenschaften dennoch kein Begriff. Auch ein anderes Beispiel zeigt mir, dass ich entweder a) alt geworden bin oder b) sich die Welt doch manchmal ganz schön schnell wandelt: „Warum sind die Polizisten grün? Sind das überhaupt Polizisten?“ Ich wusste zunächst nicht so recht, was Paul mit diesen Fragen meinte. Er hatte ein grünes Polizeiauto gesehen, aus dem ein Mann mit einer grün-beigen Uniform gestiegen war.  War mir gar nicht aufgefallen, dass da irgendetwas nicht stimmte. Doch für Paul, geboren 2008, sind Polizisten blau. So kannte er es aus Berlin, so sieht er es (meistens) in Nordrhein-Westfalen.

Noch nie gesehen hatte er hingegen einen Panzer, bis ihm einer neulich in den TV-Nachrichten begegnete. An seiner schrägen Kopfstellung merkte ich, dass er sich das Gefährt zusammenreimte: ein bisschen Traktor, ein bisschen Bagger, etwas Raupe – nur eben angsteinflößender. Panzer sind aus dem Straßenbild heute verschwunden. Glücklicherweise. Als ich klein war, fanden – so jedenfalls meine Erinnerung – permanent Manöver der deutschen oder britischen Streitkräfte statt. Wir waren – ich war vielleicht 10 – sogar einmal beim Tag der offenen Tür der Bundeswehr und durften auf und in einen Leopard-Panzer klettern.

Unsere Kinder kennen Panzer eigentlich nicht, denn Manöver finden (wahrscheinlich) nur noch virtuell statt. Paul fragte also, was dieses Ungetüm auf Ketten eigentlich kann. Schießen, sagte ich. Und er: „Auf Tiere?“

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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3 Antworten zu Von Pfennigen, Wählscheiben und Panzern (Markus)

  1. Henrik schreibt:

    Ich bin schon gespannt wenn ich unserem Mäuschen von Musik-Cassetten erzähle, gut das Mama immer noch welche von Herrn Blümchen sammelt.
    „Früher“ gab es bei uns in Bielefeld auch alle zwei Wochen (meine ich) Samstags um 12.00 Uhr einen Probealarm der Sirenen auf den Hausdächern…
    Tja, ich glaube da kommen wir Eltern doch ab und zu nochmal ins Schwärmen wenn wir von den „alten Zeiten“ reden 😉

  2. nusenblaten schreibt:

    Für den Urlaub haben wir einen Walkman angeschafft – wusste gar nicht, dass es die noch zu kaufen gibt…

  3. Lieber Markus, dein alter Kollege Steini sagt dir: Du packst das Problem von der falschen Seite an. Der Pfennig ist kein Indikator für unser Alter, eher eine Chance, die Vergangenheit in die Gegenwart zurück zu holen – und das schaffen eben nur wir.
    Mach den Pfennig doch einfach zum Helden eines Märchens. Ich fange mal an. Es war einmal ein Pfennig, der brachte den Menschen über viele, viele Jahre Glück. Sie mochten ihn, weil er so klien und so glänzend daher kam. Lange Zeit lebten der Pfennig und die Menschen glücklich miteinander. Doch schließlich strab der Papa des kleinen Burschen und der böse König Kohl übernahm die Macht im Reich. Der mochte den kleinen Pfennig gar nicht mehr, denn er hatte einen Sohn, den er Cent nannte. So bekam der kleine Pfennig einen Stiefvater und, mit dem Cent, auch einen Stiefbruder. Der sagte zu ihm: „Ab in den Keller, mein lieber. Lass dich nicht mehr in der Öffentlichkeit blicken. Du bist häßlich und man muß sich für dich schämen.“
    Du merkst schon, lieber Harmi, wohin der Hase – oder in diesem Fall der Pfennig – läuft. Das alles erinnert ein wenig an Aschenputtel. An dir, die Geschichte weiter zu entwickeln…

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