Einschulung (Markus)

Am Donnerstag wird sich unser Leben verändern. Das steht nicht etwa im Maya-Kalender, sondern bei uns im Wandkalender: „Einschulung Helene“. Außer Helene gehen alle davon aus, dass ab Donnerstag alles anders ist. Helene sagt: „Die Schule ist mir egal.“ Vielleicht sagt sie es auch nur, weil sie permanent gefragt wird, wie sie sich denn so fühle kurz vor ihrem großen Tag.

Auch Lisa wird häufig gefragt, sie sagt dann: „Mir graut vor dem frühen Aufstehen ab Donnerstag.“ Und ich selbst bin davon überzeugt, dass sich tatsächlich sehr vieles in unserem Leben ändern wird. Zu vergleichen ist die Einschulung des eigenen Kindes wahrscheinlich nur mit dem Moment der (eigenen) bestandenen Führerscheinprüfung. Die entschied damals über mobil und nicht mobil oder frei und unfrei. Ich musste mich nicht mehr kutschieren lassen (vorausgesetzt, meine Eltern liehen mir ihr Auto).

Beim Schulstart des Kindes geht es um flexibel und unflexibel. Künftig können wir nur noch dann in den Urlaub fahren, wenn es alle anderen auch machen, weil wir für die nächsten 12 bis 15 Jahre (in zwei Jahren kommen die Jungs in die Schule) an die Ferientermine gebunden sind. Wir werden uns Grundkenntnisse in Mathematik, Geografie und Biologie aneignen müssen, um bei den Hausaufgaben helfen zu können. Und wir werden mitfiebern, wenn Klassenarbeiten geschrieben werden. Wir werden unsere Tage und Abende auf Elternsprechtagen, Sommerfesten und Elternabenden verbringen und uns an Telefonate und Briefe gewöhnen, in denen es heißen könnte: „Sehr geehrter Herr Nusenblaten, wir haben ihre Tochter auf der Klassenfahrt nach London betrunken im Bus erwischt. Bitte stellen Sie sicher, dass sich dergleichen nicht wiederholt und Ihre Tochter sich an das Alkoholverbot hält, schließlich ist ihre Tochter gerade erst 14 Jahre alt geworden.“

Gut, bis zur Busfahrt nach London werden noch einige Jahre vergehen. Im Augenblick beschäftigt uns etwas ganz anderes. Ich nenne es das Schnellhefter-Syndrom: Helene hat vor ihrer Einschulung eine Liste bekommen, darauf vermerkt: 30 Dinge für ihren Schulranzen, die sie unbedingt benötigt. Aufgezählt werden: Buntstifte, Bleistift, Radiergummi, Spitzer, Lineal, Uhu Flinke Flasche, Uhu Stick, sechs Schnellhefter (einer davon muss grau sein), Wasserfarbe, Malschwamm (was zum Teufel ist das?), abwaschbarer Folienstift, Aufkleber mit ihrem Namen („zu bestellen bei Kreativzauber.de“ – gibts etwa Provision?), Aktenordner, Mappe (DIN-A 3), Schuhkarton, der mit Zeitungspapier und wasserfester Folie beklebt ist… Von Tornister, Federmappe und Butterbrotsdose abgesehen.

Seit Tagen fragen wir uns, ob wir auch wirklich an alles gedacht haben. Und als ich mich wunderte, dass ausgerechnet der Füller nicht auf der Liste steht (ich dachte, der Füller sei wichtiger als ein abwaschbarere Folienstift), schaute Lisa mich mit großen Augen an und entgegnete: „Einen Füller? Den bekommt man heute erst, wenn man in der Schule einen Füllerführerschein gemacht hat.“

Füllerführerschein? Erinnert mich an meinen Fahrzeugführerschein. Hoffentlich ist die Füllerführerschein-Prüfung weniger aufwendig…

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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4 Antworten zu Einschulung (Markus)

  1. Na schreibt:

    Bei uns auf der anderen Rheinseite auch Einschulung des Erstgeborenen am Donnerstag… Und ich fühle mich bereits etwas zurückversetzt in die eigene Schulzeit und das fast vergessene „Sonntag-Abend-Gefühl“, wenn man das ganze Wo-E eigentlich lernen wollte und Hausaufgaben erledigen wollte und PLÖTZLICH ist Sonntag Abend und man hat rein gar nichts gemacht, meldet sich leise wieder….

    Ich bin gespannt, welche Erlebnisse auf uns warten :o)

    Liebe Grüße
    Na

  2. E schreibt:

    die füllerprüfung ist vielleicht weniger aufwendig, aber scheinbar genauso teuer….
    warum in aller welt ein schuhkarton mit zeitung und folie??? ham die sie noch alle?

  3. Henrik schreibt:

    Ging das mit dem Füller nicht erst in der dritten Klasse los?
    Wie sieht’s bei euch eigentlich mit Schulranzen aus? Da kann man ja zur falschen Zeit auch ordentlich investieren… Ich denke jetzt schon immer daran, den ein Jahr im vorraus zu kaufen, wenn die im „Sale“ sind😉

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