Fluchen (Markus)

Ich finde es lustig, wenn die Kinder fluchen. Ja, ich weiß, ich sollte es eigentlich nicht lustig finden, aber so ein gut betonter, von Herzen kommender Fluch – herrlich. Ich darf das schreiben, weil unsere Kinder ja noch nicht lesen können. Gut, Helene kann „Mama“, „Papa“, „Oma“, „Opa“ und einiges mehr entziffern, aber eben nicht – sagen wir – „Scheißkerl“.

Wenn eines der Kinder flucht (und wir uns insgeheim darüber amüsieren), dann sagen wir natürlich nicht, das hast Du jetzt aber gut ausgesprochen oder: Das „Sch“ bei Scheißkerl könntest Du noch etwas schärfer sprechen. Das würde auch keinen Sinn machen, denn Franz kriegt das „Sch“ eh nur schwer über die Lippen und sagt stattdessen „Ssseißkerl“, so dass wir uns schon Sorgen machen, ob er jemals ein „Sch“ wird sprechen können.

Neulich, bei der letzten U-Untersuchung, haben wir das Sprachproblem sogar mit dem Arzt besprochen. Ob Franz vielleicht einen Logopäden nötig habe, weil er nicht „Scheißkerl“, pardon: weil er nicht „Schule“ sagen kann, sondern „Sssule“. Der Arzt meinte, wir sollten uns keine Sorgen machen, in dem Alter – Franz ist vier – mache man noch nichts, da warte man noch ab. Das „Sch“ werde schon noch kommen bei ihm. Seitdem sind wir beruhigt und sehen über falsch ausgesprochene Flüche gnädig hinweg. Zumal einem Fluch neuerdings häufig ein paar Worte der Zuneigung vorausgehen, wie vor einigen Tagen, als ich Franz ins Bett gebracht habe. „Papa, Du bist echt der Tollste, Du verdammter Ssseißkerl!“ Oder einige Tage früher: „Papa, warum weißt Du eigentlich so viel, Du dummer Mistkerl?“

Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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5 Antworten zu Fluchen (Markus)

  1. Amir schreibt:

    Wunderbar der echt tollste Mistkerl!
    LG, ae

  2. advocatusdiavoli schreibt:

    Kindeserziehung wie aus dem Lehrbuch!

  3. Henrik schreibt:

    Wird es denn wohl demnächst eine neue schimpfwort-Kreation a la „nusenblaten“ geben😉

  4. Cocoloress schreibt:

    Erinnert mich an allseits beliebten Feedback-Burger. Wobei Mistkerl hier wohl eindeutig als Liebesbeweis zu deuten ist😉

  5. Meine Kinder sind 4 und 7 und fluchen als wären sie und er Gosse aufgewachsen…ich bin der festen Überzeugung, das lernen sie alles im Kindergarten bzw. Schule…ich würde ja niemals ein schlimmes Wort in den Mund nehmen….;-). Das Problem mit dem Sch hatte meine jüngere Tochter auch, ebenfalls 4 Jahre alt. War sehr leicht zu lösen. Ich habe ihr gesagt, sobald sie Schokoladensandwich sagt statt Ssssokoladensandwiss mache ich ihr eins (sprich ein Brot mit den legendären Eszett-Schnitten)…rate mal, wie lange es gedauert hat bis sie es sagen konnte….;-)

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