Schmaler Grat (Lisa)

Könnt Ihr sie eigentlich sehen, diese winzig schmale Linie zwischen Mut und Naivität? Ich musste heute sehr früh Zeit auf der Autobahn verbringen und mein Hirn sponn so herum. Dabei kam es auf eine ziemlich einfache Formel, die eigentlich alles in unserem Leben betrifft. Und das ist ebenjene Linie, die ich oben erwähne.

Stehe ich am Klettergerüst, muss ich entscheiden, ob ich mutig bin, ob ich das Kind zu Autonomie anminiere und es einfach machen lasse. Oder ob ich naiv bin, ihm nicht zu helfen und womöglich gleich den Krankenwagen rufen muss, weil ich so mutig war und mein Kind eben abgestürzt ist.

Das Gleiche gilt für die Entscheidung, ob meine Erstklässlerin den Weg allein zur Schule bewältigen kann oder nicht. Es gilt aber eben nicht nur in Bezug auf die Kinder, sondern ist auch anwendbar auf jegliche anderen Bereiche unseres eigenen Lebens.

Ist es naiv, eine eigene Firma zu gründen oder mutig? Hat Marc Zuckerberg gewusst, dass er irgendwann ein milliardenschweres Unternehmen geschaffen haben wird? Entscheidet nicht manchmal einfach das Glück, ob am Ende etwas als mutig gilt oder als naiv? Wo entlang läuft sie, diese dünne kleine Linie?

Kennt nicht jeder diese Situation? Ist es naiv, die Eigentumswohnung zu kaufen, obwohl der Job auf der Kippe steht oder mutig? Ist es dumm den festen Job zu kündigen, um sich selbst zu verwirklichen oder schlau?

Ist das mit der Selbstverwirklichung gelungen oder der Kredit endlich abbezahlt, dann werden alle offen sagen: Respekt für Deinen Mut! Gelingt es nicht, wird die Hand vor den Mund genommen und nicht-öffentlich gemunkelt werden: „War doch klar, wie naiv kann man nur sein!“

Kinder sind immer ein Wagnis, jeden Tag stellen sie uns vor die Entscheidung: Kopf oder Zahl, Mut oder Naivität. Kinder bringen einen am Samstagmorgen auf der Autobahn zum Grübeln. Kinder machen mutig. Und sie machen naiv.

Die Linie dazwischen wird immer schmal bleiben. Schmal und dünn und doch vorhanden.

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Über nusenblaten

Es geht um eine Mutter, einen Vater und ihre drei Kinder. Erst im Kinder-Mekka Prenzlauer Berg, nun mitten auf dem Land mit Ziegen und Fernweh. Es geht um die großen und kleinen Themen der Elternschaft. Der abwechselnde Blick von Mutter und Vater sorgt für teils überraschende, teils lustige Einblicke in die Welt zweier berufstätiger Eltern mit drei Kindern, die in nur zwei Jahren geboren wurden.
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Eine Antwort zu Schmaler Grat (Lisa)

  1. Jaegerin schreibt:

    Du Philosophin! Das Gute ist ja, dass man nie wissen wird, ob eine Entscheidung richtig oder falsch war. Wenn mein Kind vom Klettergerüst fällt und sich ein Bein bricht, wird es vielleicht genau deshalb später nie vom Baum fallen. Und das mit dem Schulweg hatten wir gerade heute Morgen. Fahrrad oder nicht? Tja, diese schmale Linie …

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