Augen zu! (Lisa)

Kinder brauchen Rituale? Tja. Eltern wohl auch. Und Helene muss das irgendwoher wissen. Warum sonst sollte sie jeden Abend die gleiche Frage stellen (seit sie sprechen kann)?

“Mama? Dürfen meine Augen zufallen?”

Vielleicht sollte ich für sie mal eine Kassette besprechen. Darauf sage ich, für ein ganzes Jahr, 365 Mal “Ja, verdammt, nu schlaf endlich ein.”

Wobei: Es wäre wahrscheinlich einfach zu schade um das Ritual, das sich meine Tochter extra für mich ausgedacht hat. Wahrscheinl… Tss, rsss, tsss

Sorry, ich bin kurz eingenickt, gähn. Die Augen sind nun zu. Also ihre. Und ich starte kämpferisch in einen kinderfreien Abend. Ich war auch schon mal fitter. Rituale schläfern halt einfach ein…

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Raucherbabys (Markus & Lisa)

Contra Kaugummizigaretten (Markus)

Rauchen ist Protest, sagte ein Bekannter einmal. Und deshalb sei es wichtig, dass Jugendliche (für eine gewisse Zeit) zur Zigarette griffen. Denn damit grenzten sie sich von ihren Eltern ab.

Unsere Kinder sind sechs und drei. Soll ich es auch als Protest abtun, dass sie rauchen? Gut, sie ziehen nicht an echten Zigaretten, aber seit ein Gast ihnen am Wochenende Kaugummi-Zigaretten schenkte, hat jedes von ihnen permanent eine Schachtel in der Hand und eine Fluppe im Mund. Diese Kaugummi-Zigaretten sehen mit ihrem Papier aus wie echte Zigaretten, außerdem stoßen sie (beim ersten Pusten) Rauch aus. Franz und Paul halten den Kaugummi-Stängel schon ziemlich professionell zwischen Zeige- und Mittelfinger, was sie sich bei Bekannten abgeschaut haben. Und sie merken, dass sie damit total cool sind.

„Haha, guck‘ mal, die Kleinen rauchen schon“, meinte eine rauchende Jugendliche zu ihrer Freundin, als unsere kleinen Kaugummi-Raucher an ihnen im Freibad vorbei marschierten. Ich schämte mich in Grund und Boden und sagte entschuldigend. „Ist nur Kaugummi.“

Die Schachteln sind mittlerweile leer, und von mir gibt’s definitiv keine neuen. Heute fange ich mit der Entwöhnung an, werde ihnen Bilder von Krebs-Lungen zeigen. Und die Bekannte, die ihnen die Zigaretten geschenkt hat darf sich beim nächsten Mal ein anderes Geschenk ausdenken.

Pro Kaugummizigaretten (Lisa)

Rauchen ist Protest? Klar. Protest gegen das von den Eltern auferlegte Rauchverbot. Markus und ich sind Nichtraucher. Gerade, um sich von uns abzugrenzen, werden sie es also als cool empfinden, uns einen vorzupaffen: “Sehr nur her, wie eigenständig und individuell und anders wir sind.” Also finde ich es wunderbar, ihnen diese Kaugummiteile zu geben. Bedürfnis befriedigt. Rebellentum auch. Dann brauchen sie später gar nicht zu echten Kippen zu greifen.

Erinnerst Du Dich eigentlich an unsere Kindheit? Ich hatte dauernd Kaugummi-Zigaretten, niemand kam auf die Idee, das politisch unkorrekt zu finden. Es gibt ja schließlich auch Malzbier. Wird man davon direkt zum Alki? Und haben uns die Kinder-Zigaretten damals zu echten Rauchern gemacht? Nein. Also lass den Kindern doch den Spaß.

Und das mit den Lungenkresbildern kannst du auch lassen. Zeig ihnen lieber ein paar schlimme Kariesfälle. Ich hab nämlich noch nie ein Kind gesehen, dass von zuckrigem Kaugummi an Lungenkrebs erkrankt ist, also ehrlich.

Trotzdem muss ich eins gestehen: Die Kinder können hier in unseren eigenen vier Wänden ja gern mit den Spiel-Fluppen rumlaufen oder mit Salzstangen, an denen sie rumpaffen oder mit sonstwas. Nur den Nachbarskindern: Denen sollen sie ihre täuschend echt aussehenden Kippen-Imitate dann doch nicht andrehen. Nicht, um die Kinder zu schützen, meine ich. Sondern um mich selbst vor deren Eltern zu schützen. Denn political incorectness war vielleicht in unserer Kindheit cool – kommt aber heute irgendwie gar nicht mehr so gut an…

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Man muss auch mal abschalten können (Lisa)

Ein Haus, sechs Worte.

Auch eine Art des Abschaltens.

Gesehen in Fischerhude bei Bremen.

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Der Besen! (Lisa)

Es sollte eine ganz normale Ausflugsfahrt werden – doch sie entwickelte sich zum Krimi. Autobahn A4 von Köln Richtung Olpe. Es ist ca. 19.15 Uhr als wir mit allen Kindern an Bord mit 120 km/h die Stadt verlassen und Richtung Heimat düsen. Die Kinder sind angeschnallt, albern herum, dann plötzlich: “DA! Lülala! Ein Polizeiauto. Papa. Da da da vorne!”

Die Wagen vor uns schalten die Warnblinker ein, wir bremsen auf 100 km/h ab, auf 90. Die Polizei hat das blaue Blinklicht eingeschaltet, eine Sirene hören wir nicht. Vom Dach des Polizei-VWs blinkt uns rot ein Schriftzug entgegen:

DANGER

GEFAHR

Die Kinder recken ihre Hälse aus den Sitzerhöhungen, bei uns ist Stille an Bord. Der Polizeiwagen fährt nun genau vor uns, ein Mercedes versucht, ihn links zu überholen. Die Polizisten ziehen links rüber, winken mit den Armen aus den Fenstern, hoch und runter, sachte sachte, langsam langsam. Die Autobahn vor uns: leer gefegt, mit nur noch 40 km/h folgen wir dem DANGER-Auto.

Bei uns an Bord beginnen wir mit den ersten Verschwörungstheorien. Wir drehen das Radio leiser. Sehen wir gleich etwas Schreckliches? Leichen vielleicht? Papa, Papa, hast Du sowas schon mal erlebt? Nein.

Wie in einer Pferde-Quadrille schleichen wir Autos uns hinter der Polizei her. Ob das nur eine Polizeifahrschule ist? Bitte, bitte lass es so sein. Die üben nur, wie man den Autobahnverkehr verlangsamen kann, sage ich. Hoffe ich. Und dann hält das Polizeiauto.

Die Fahrertür wird noch in der Fahrt aufgerissen, die Beifahrertür ebenso. Da packt der Beifahrerpolizist in den rasch geöffneten Kofferraum, reißt einen Besen raus, rote Borsten, heller Stiel – Mama, der hat ne Warnweste an, so eine will ich auch – und…

… dann kehrt der polizist einen toten Vogel vom Mittelstreifen.

Wir schauen rechts aus dem Auto, schauen dem Fahrer unseres Nebenautos ins Gesicht und… prusten los. Das haben die jetzt nicht für ein Vögelchen gemacht, oder? Ein Blick zurück nach vorn und wir sehen nur noch die Rücklichter des Polizeiwagens, der über die leer gefegte Autobahn wegrast. Mit 250 km/h. Mindestens.

Ratlos drücken auch wir aufs Gaspedal. Aber Mama, Papa, der Polizist hat seinen Besen im Gebüsch vergessen!

Na wenns nur das ist.

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Tabubruch (Lisa)

Im Süddeutsche Zeitung Magazin vom Freitag lese ich, dass es im deutschen Fernsehen Sendungen wie Live aus dem Alabama nicht mehr gebe, weil so gut wie alle Tabus in unserer Gesellschaft bereits gebrochen wären. Damals sei es noch etwas Besonderes gewesen, einen homosexuellen Gast einzuladen, erzählt Sandra Maischberger, die die Sendung mal moderiert hat, und der Gast sei auch nur unter der Bedingung genehmigt worden, dass bei dem Gespräch auch ein Kirchenmann eingeladen werde.

Nun, es ist ja schön, sich vorzustellen, dass wir in einer solch freien Gesellschaft leben, dass keine Tabus mehr gebrochen werden müssen. Aber das ist ja nicht so.

Ich denke da an schwule Profifußballer zum Beispiel. Ich denke da aber auch an ein Cover des amerikanischen Magazins TIME, das mich erschrocken hat. Nicht das Bild hat mich verwundert, es zeigt eine Mutter mit einem fast vierjährigen Kind an der Brust. Nein, die Reaktionen auf dieses Bild haben mich geschockt. Warum? Weil ich dachte, dass kein Bild der Welt mehr solche Debatten lostreten kann, weil ich nämlich davon ausging, in einer toleranten Gesellschaft zu leben, in der es kaum noch Tabubrüche gibt, weil eben jeder so leben darf, wie er will. Darf er nicht. Ich weiß es jetzt beser.

Kaum ein Mütterblog hat dieses Bild nicht gezeigt, nicht kommentiert und das nicht nur in Amerika, wo der Titel erschienen ist, sondern auch hier.

Mein Gott, da stillt eine Mutter ihr Kind! So what?

Ja, es ist fast vier. Und? Soll sie doch, wenn sie das für sich und ihr Kind gut findet. Das heißt nicht, dass ich das auch gut finden muss, aber da steht doch auch nicht, dass ich das jetzt gefälligst selbst so machen muss. Mach ich´s halt anders.

In amerikanischen Mütterblogs ist von Krieg die Rede, die Pro-Mutermilch-Bewegung liefert sich Schlamschlachten mit Feminismus-Vertreterinnen. Etliche Bloggerinnen  regten sich gar über die unrealistische Inszenierung des Bildes auf: “Ein Kind auf einem Stuhl? Das ist doch sauuuu-gefährlich”, schreibt da doch echt eine Bloggerin. Wo leben die denn eigentlich?

Ich kann es mir genau vorstellen: Wie die Chefredakteure da saßen und sich ein Coverbild ausdachten und genau darauf abzielten: Auf einen Aufschrei. Die sitzen jetzt in ihrem Kämmerchen und reiben sich die Hände: “Extra! Ätschibätsch! Regt Euch nur auf. Solche Auflagen hatten wir noch nie.”

Ich finde es befremdlich, dass dieses kalt berechnete Kalkül so aufging. Noch erfolgreicher, als sie es sich in ihren kühnsten Träumen hätten vorstellen können wahrscheinlich.

Vielleicht sollte ich mal mit Frau Maischberger über Tabus reden. Ob es sie noch gibt. Und dann laden wir uns eine stillende Mutter mit ihrem vierjährigen Kind ein… Daneben setzen wir einen Kirchenmann.

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Vatertag

Helene: “Mama, Mama, der Paul macht dem Franz alles kaputt. Und der hat gesagt, wenn ich petze, dann kackt er mir auf den Kopf.”

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Franz’ Logik (Lisa)

“Wenn England England heißt, dann jawohl, weil es da so eng ist.”

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